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06.04.2022

VBE NRW: Personaloffensive und Gesundheitsprävention nötiger denn je

DKLK-Studie 2022

Heute wurde die repräsentative DKLK-Studie 2022 im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses (DKLK) in Düsseldorf vorgestellt. 4.827 Kitaleitungen haben an der deutschlandweit größten Umfrage dieser Art teilgenommen, so viele wie nie zuvor.

In Zeiten des Fachkräftemangels und der Pandemie wird das Thema Gesundheit und Gesundheitsprävention in der Kita immer wichtiger. Daher hat der VBE es in der diesjährigen DKLK-Studie zum Schwerpunktthema gemacht. „Die hohen Belastungen am Arbeitsplatz und der Druck auf die Beschäftigten in den Kitas werden immer größer. Sehr viel wurde und wird von jeder und jedem einzelnen gefordert. Zu wenig Personal und damit zu große Gruppen erschweren nach wie vor die Bildungsarbeit in den Kitas in NRW. Das zeigt unsere aktuelle Umfrage unter Kitaleitungen in NRW mehr als deutlich“, erklärt Anne Deimel, stellv. Vorsitzende des VBE NRW, anlässlich der heutigen Veröffentlichung der Ergebnisse der repräsentativen DKLK-Studie 2022 im Rahmen des Deutschen Kitaleitungskongresses in Düsseldorf.

82 Prozent der befragten Kitaleitungen fühlen sich psychisch durch ihre Tätigkeit belastet. „Blickt man auf die derzeitigen Arbeitsbedingungen verwundert dies nicht“, so Deimel. 60 Prozent der befragten Kitaleitungen in Nordrhein-Westfalen geben an, dass sie in den zurückliegenden zwölf Monaten in mehr als 20 Prozent der Zeit in Personalunterdeckung gearbeitet haben (2021 waren es noch 40 Prozent).  Sie konnten also in dieser Zeit die gesetzlich vorgegebene Aufsichtspflicht in ihrer Kita nicht gewährleisten. 17 Prozent der Kitaleitungen geben sogar an, in über 60 Prozent der Zeit in aufsichtspflichtrelevanter Personalunterdeckung zu arbeiten. Das sind mehr als dreimal so viele wie 2021 (5 Prozent). „Diese Entwicklung ist alarmierend. Angemessene Arbeitsbedingungen sehen anders aus. 86 Prozent der Kitaleitungen sagen sogar, dass sich der Personalmangel in den letzten zwölf Monaten verschärft hat (2021 waren es noch 72 Prozent)“, betont die stellv. Landesvorsitzende.

Fehlendes Personal bedeutet für die vorhandenen pädagogischen Fachkräfte eine hohe zusätzliche Arbeitsbelastung. Diese verursachte höhere Fehlzeiten und Krankschreibungen der pädagogischen Fachkräfte – das bestätigen 95 Prozent der Befragten aus NRW. Fast jede dritte Kitaleitung (30 Prozent) ist in den letzten 12 Monaten 10-20 Tage zur Arbeit gegangen, obwohl sie sich aus gesundheitlichen Gründen nicht arbeitsfähig gefühlt hat. Als Grund hierfür nennen 91 Prozent das Bedürfnis, ihr Team nicht im Stich lassen zu wollen. „Kitaleitungen arbeiten mit einem extrem hohen Engagement trotz hoher Belastungen. Trotz massiven Personalmangels, trotz der Ignoranz gegenüber der empfohlenen Personalschlüssel, trotz der vielerorts unzureichenden Ausstattung und knappen Räumlichkeiten stärken und motivieren Kitaleiterinnen- und -leiter ihr Personal und tragen die Verantwortung für die Gesundheit aller Beteiligten“, betont Deimel. Die Studie zeigt in diesem Zusammenhang, dass Kitaleitungen sich eher in der Lage sehen, gesundheitliche Risiken für ihre Teammitglieder zur erkennen (99 Prozent) und diesen zu begegnen (81 Prozent), als für sich selbst. In den gesundheitsfördernden Angeboten für ihr Team fühlen sich die meisten Kitaleitungen aber schlichtweg allein gelassen. Während z. B. 94 Prozent Angebote im Bereich des Gesundheits- und Stressmanagements als nützlich ansehen, haben nur 15 Prozent Zugang zu solchen.

„Die Bildung und Erziehung der Kitakinder in NRW wird von viel zu wenigen Schultern getragen. Ohne eine groß angelegte Personaloffensive und entsprechende Maßnahmen zur Gesundheitsprävention kann das nicht gut gehen. Die Politik darf die Qualität der frühkindlichen Bildung und Erziehung nicht ausschließlich vom hohen Engagement der Kolleginnen und Kollegen abhängig machen“, moniert Deimel. „Auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation muss es das Ziel sein, Unterstützungsmaßnahmen im Hinblick auf das Ankommen ukrainischer Kinder schnell und unbürokratisch auf den Weg zu bringen.“

Als besonders gesundheitsgefährdende Faktoren sehen die befragten Kitaleitungen in NRW die Personalsituation (86 Prozent), die körperliche Beanspruchung (86 Prozent) und den Geräuschpegel (94 Prozent). Mithilfe der Studie macht der VBE die Landespolitik in diesem besonderen Wahljahr deutlich auf den Personalmangel und notwendige landesweite Qualitätsstandards aufmerksam. „Der VBE NRW fordert schon seit langem, das Arbeitsfeld der Erzieherinnen und Erzieher attraktiver zu gestalten. Hierzu gehört die Ausgestaltung angemessener Rahmenbedingungen, wie z. B. ausreichend Räumlichkeiten, in denen die baulichen Möglichkeiten des Lärmschutzes umgesetzt sind, Unterstützungsstrukturen im Bereich der Gesundheitsprävention und eine angemessene Vergütung. Eine Verwaltung des Mangels, wie sie zurzeit leider auf allen Ebenen vorherrscht, ist nicht länger hinnehmbar“, so Deimel abschließend.

Weiterführende Informationen:

 

Zur digitalen Pressemappe mit zusätzlichem Bildmaterial sowie alle Unterlagen zur Veröffentlichung der DKLK-Studie 2022.

Die DKLK-Studie 2022 ist eine Umfrage von FLEET Education Events in Kooperation mit dem VBE Bundesverband sowie den drei VBE Landesverbänden, dem Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), dem VBE Baden-Württemberg und dem VBE Nordrhein-Westfalen, unter wissenschaftlicher Leitung von Dr. Andy Schieler von der Hochschule Koblenz. An der Umfrage, welche zum sechsten Mal erhoben wurde, haben 4.827 Kitaleitungen teilgenommen, so viele wie nie zuvor. Der Deutsche Kitaleitungskongress ist eine gemeinsame Veranstaltung von FLEET Education Events, dem VBE Bundesverband, den drei VBE Landesverbänden – Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), VBE Baden-Württemberg und VBE Nordrhein-Westfalen – sowie der AOK. 

PM 17-22 (PDF)

 


Pressemitteilung 17-22
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