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06.08.2020

VBE: Corona gleicht einer Lupe

Gemeinsam durch die Krise statt einsamer Entscheidungen – Schulen brauchen Rückhalt

Lehrkräftemangel, Besoldungsgerechtigkeit, Raumnot, Digitalisierung, Coronakrise: Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW blickt mit gemischten Gefühlen auf das neue Schuljahr, ein Schuljahr, das noch weit von einem Regelbetrieb entfernt ist. Land und Kommunen sind gleichermaßen in der Pflicht.

„Corona ist wie eine Lupe. Personalmangel, Raumnot und fehlende Ausstattung sind so deutlich wie nie zuvor. Alles Probleme, die nicht überraschen, sondern auf die wir bereits lange hinweisen. Corona legt langjährige Versäumnisse der Bildungspolitik schonungslos offen und verstärkt sie. Der Frust vieler Kolleginnen und Kollegen ist gewaltig. Es sind in allen bekannten Baustellen mindestens ähnliche Kraftanstrengungen nötig wie bei der Bereitstellung der Gelder für die digitalen Endgeräte. Unsere Botschaft an die Landespolitik: Benennt die Fehler, lernt aus ihnen und packt die großen Baustellen endlich an – hört auf die Stimmen aus der Praxis! Gelder für digitale Geräte bereitzustellen, um digitales Lernen zu ermöglichen, ist nur ein erster Schritt. Wenn das Ziel der Regierung des Aufstiegs durch Bildung wirklich ernst gemeint ist, müssen weitere Maßnahmen folgen“, fordert Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE.

Corona-Regelungen zum Schulstart

„Der sogenannte angepasste Schulbetrieb ist für alle eine große Umstellung. Das soziale Lernen und Miteinander ist ein wesentlicher Baustein von guter Bildung. Mit Mund-Nase-Schutz kann man zum Beispiel nicht die Mimik des Gegenübers sehen und deuten. Das selbstständige Arbeiten, das auch ein freies Bewegen im Klassenraum und im Schulgebäude voraussetzt, ist durch die Corona-Regeln sehr eingeschränkt. Für die Schülerinnen und Schüler wird es kaum möglich sein, durchgehend einen Mund-Nase-Schutz zu tragen. Gerade jetzt im heißen Sommermonat ist das durchgehende Tragen des Mund-Nase-Schutzes eine große Zumutung. Bildung ist ein hohes Gut, ebenso wie die Gesundheit. Beide gilt es zu schützen“, erklärt Behlau.

Lehrkräftemangel

Erneut konnten viele Stellen nicht mit ausgebildeten Lehrkräften besetzt werden. Dies führt bereits zu größeren Klassen und dem Ausfall zahlreicher Förderangebote. Auch die Belastung der Lehrkräfte ist dadurch deutlich gestiegen.

„Unsere langjährige Forderung nach einer Verkleinerung der Klassen ist nicht nur vor dem Hintergrund der steigenden pädagogischen Anforderungen richtig, sondern würde auch in der aktuellen Krise helfen. Sie scheitert aber an den halbherzigen Bemühungen der Landesregierung. Die Schülerzahlen steigen weiter bei gleichzeitig steigenden Pensionierungen. Zahlreiche Bundesländer haben bereits – anders als NRW – die Ungerechtigkeit in der Lehrerbezahlung beseitigt. Dies bedeutet faktisch, dass NRW weiter an Attraktivität verliert. Es wird Zeit, stärker in den Rohstoff der Zukunft zu investieren! Das sind die Köpfe der jungen Menschen“, fordert Behlau.

Raumnot

„Schule hat sich verändert, aber noch immer werden die Schulgebäude dem nicht ansatzweise gerecht. Neben unzureichenden sanitären Einrichtungen bemängeln viele Schulen den fehlenden Platz. Die Maske spiegelt das Raumproblem wider. Der nötige Abstand kann vielerorts nicht eingehalten werden, selbst das Lüften kann ein Problem darstellen“, erklärt Behlau.

Digitale Endgeräte für die Schulen

„Es ist wichtig, dass wirklich alle Schülerinnen und Schüler hier mitgenommen werden und es ist richtig, dass Lehrkräfte nicht mehr gezwungen sein werden, auf private Geräte zurückzugreifen. Beides haben wir stets gefordert. Gut, dass dies jetzt auf den Weg gebracht wurde. Leider werden die Geräte und die Arbeitsabläufe nicht auf Knopfdruck bereitstehen. Wichtig ist, dass auch der nötige Support für die Wartung und Pflege der Geräte zur Verfügung gestellt wird. Zudem braucht es ausreichend Zeit und Ressourcen, damit Lehrkräfte sich hier bedarfsgerecht fortbilden können“, sagt Behlau.

Corona schränkt ein und das muss deutlich kommuniziert werden

„Für die Schulen sind noch viele Einzelfragen offen, doch die Kolleginnen und Kollegen stellen sich flexibel den verschiedenen Situationen. Angepasster Schulbetrieb, Lernen auf Distanz, umfangreiche zusätzliche Dokumentationspflichten und das schnelle Reagieren auf die Entwicklung der aktuellen Infektionszahlen: Lernen und Arbeiten unter Coronabedingungen ist eine Mammutaufgabe für alle. Unsere Landesregierung muss ehrlich sein und den Menschen sagen, dass vieles, was in Schule wünschenswert ist, aufgrund der aktuellen Lage nicht möglich ist. Das neue Schuljahr wird nur dann für alle Schülerinnen und Schüler erfolgreich, wenn wir die Probleme gemeinsam anpacken. Hierfür erwarten wir die nötige Rückenstärkung“, fordert Behlau.

 


Pressemitteilung 60/2020
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„Bessere Kommunikation, Einbeziehung der Praxis, konstruktive Diskussionen und endlich Anerkennung, Respekt und Wertschätzung für Lehrkräfte, Schulleitungen und das pädagogische Personal sowie Vertrauen in ihre Arbeit – das wären Ansatzpunkte, um gemeinsam durch die Krise zu kommen.“

 

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