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24.09.2020

VBE: Gewalt ist kein Tabuthema mehr

Neue VBE-Umfrage zur Gewalt an Schulen

Alle abgefragten Formen von psychischer und physischer Gewalt gegen Lehrkräfte sind im Vergleich zum Jahr 2018 in der Beobachtung der Schulleitungen an ihren Schulen angestiegen. Mit Blick auf die vergangenen 5 Jahre sagten uns dieses Jahr 41 Prozent der befragten Schulleitungen, dass es in ihren Einrichtungen zu körperlicher Gewalt gegen Lehrkräfte kam, vor zwei Jahren waren es 35 Prozent.

64 Prozent der befragten Schulleitungen sagten zudem, dass sie an ihrer Schule Fälle von psychischer Gewalt gegen Lehrkräfte beobachteten, ein deutlicher Anstieg von 9 Prozentpunkten zur letzten Befragung.

„Der Anstieg in den Beobachtungen ist besorgniserregend. Sicherlich sorgt auch die Enttabuisierung des Themas für eine Sensibilisierung, aber die Zahlen sollten dennoch ein deutliches Signal für eine Stärkung der Präventionsarbeit in den Schulen sein. Mit dem ‚Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen‘ und der dauerhaften Finanzierung von 1000 Stellen in der Schulsozialarbeit hat die Landesregierung einen richtigen Weg eingeschlagen. Nötig wären allerdings für jede Schule mindestens eine Landesstelle für Schulsozialarbeit sowie endlich ausreichend Lehrkräfte und damit die wichtigste Ressource der Prävention: Zeit. Der VBE hat hier einen Stein ins Rollen gebracht, aber es gibt noch viel zu tun”, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW.

Cybergewalt deutlich gestiegen

Besonders auffällig ist der Anstieg der Fälle von Cybergewalt an Schulen. 33 Prozent der Schulleitungen erlebten an ihrer Schule, dass es in den vergangenen 5 Jahren zu Fällen kam, in denen Lehrkräfte über das Internet diffamiert, belästigt, bedrängt, bedroht oder genötigt wurden, 2018 beobachteten dies mit 17 Prozent deutlich weniger der befragten Schulleitungen.

„Besonders perfide am Cybermobbing ist: Es endet nicht nach Schulschluss, sondern verfolgt die Opfer 24 Stunden lang an allen Wochentagen. Und nicht immer bleibt es im digitalen Raum. Worte finden ihren Weg in die Realität, aus Worten werden manchmal Taten. Kommt es zu Gewalt, darf es keine Toleranz geben, egal in welcher Form sie ausgeübt wird”, sagt Stefan Behlau.  

“Es ist davon auszugehen, dass mit der zunehmenden Digitalisierung leider auch die Fälle von Cybergewalt steigen. Die Anspruchshaltung gegenüber den Schulen steigt, gleichzeitig wird die Kommunikation unmittelbarer. Verletzende Worte finden schneller den Weg in die Tastatur und damit in die digitalen Kommunikationswege als dies von Angesicht zu Angesicht der Fall ist. Respektvolle Kommunikation und wertschätzender Umgang miteinander müssen gerade in Zeiten der Digitalisierung das Fundament sein, auf dem das schulische Lernen, auch auf Distanz, fußt.”

Umgang mit dem Thema „Gewalt gegen Lehrkräfte“

Noch vor zwei Jahren hatten 40 Prozent der Schulleitungen angegeben, dass sie Gewalt gegen Lehrkräfte als ein Tabuthema wahrnehmen, das meinen aktuell nur noch 29 Prozent.

„Der VBE konnte das Thema aus der Tabuzone holen und die notwendige sowie überfällige Debatte anstoßen. Probleme können erst angepackt werden, wenn sie erkannt werden. Das konnten wir für die Lehrkräfte und die Beschäftigten in den Schulen erreichen. Der Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung in Schulen ist auch eine Reaktion der Landesregierung auf diese Problematik. Jetzt muss es darum gehen, die Stellen auszubauen und präventive Arbeit zu stärken. Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sind Fundamente gelingender schulischer Bildung. Angst, Hetze und Gewalt dürfen in Schule keinen Platz haben“, fordert der VBE-Landesvorsitzende.

Maßnahmen zur Unterstützung betroffener Lehrkräfte

Nur noch 59 Prozent der befragten Schulleitungen gehen davon aus, dass es ihnen in den allermeisten Fällen gelungen ist, ihre Kolleginnen und Kollegen in Fällen von Gewalt ausreichend zu unterstützen. Vor zwei Jahren waren es fast 90 Prozent.

„Dies kann mehrere Ursachen haben. Wichtig ist hier vor allem, die nötigen Konsequenzen zu ziehen. Wir fordern, notwendige Ressourcen für präventive Maßnahmen bereitzustellen. Es gilt, die Ursachen zu bekämpfen. Eine ausreichende Versorgung an Lehrkräften, flächendeckende Schulsozialarbeit, kleinere Klassengrößen und die nötigen Fortbildungen sind hierfür grundlegende Faktoren. Bestmögliche Bildung und Erziehung sind der beste Schutz gegen Gewalt”, erklärt Stefan Behlau, Landesvorsitzender des VBE NRW.

Die ganze Gesellschaft ist gefragt

„In der Gesellschaft braucht es eine unmissverständliche Haltung gegen Gewalt. Hierbei spielen die Schulen als Lern- und Lebensraum der Kinder und Jugendlichen eine tragende Rolle. In den Schulen müssen gegenseitiger Respekt und Wertschätzung mehr als selbstverständlich sein. Wenn die Arbeit von Schule in der Kritik steht, müssen sich Kritiker ehrlich machen und die schwierigen Bedingungen der Beschäftigten in den Schulen benennen. Bildungsarbeit wertzuschätzen und bedarfsgerecht auszustatten, kann letztlich helfen, der Gewalt in Schule entgegenzuwirken“, so Behlau.

Die Länderauswertung:

1.302 Schulleiterinnen und Schulleiter, darunter 264 in Nordrhein-Westfalen, wurden von forsa im Auftrag des VBE befragt. Die Daten sind repräsentativ. Hier erhalten Sie den Bericht für NRW.

Hintergrund:

Der VBE hat das Thema „Gewalt in der Schule“ aus der Tabuzone geholt und durch seine Umfragen in den vergangenen Jahren regelmäßig Debatten angestoßen. Noch am Tag der Veröffentlichung der vergangenen VBE-Umfrage am 2. Mai 2018 erklärte Schulministerin Gebauer, dass die Daten des VBE genau analysiert werden und geprüft werde, ob es zusätzlichen Unterstützungsbedarf gebe. Fast ein Jahr später, am 17. Mai 2019, stellte sie den „Aktionsplan gegen Gewalt und Diskriminierung an Schulen“ vor, der u. a. 54 Stellen zusätzlich für Beratungslehrkräfte oder sozialpädagogische Fachkräfte beinhaltet sowie 100 weitere Stellen für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen.

Hinweis auf die aktuelle Kampagne des DBB NRW:

Mit der Kampagne „Für mehr Wertschätzung & Respekt. DBB NRW gegen Hass, Hetze & Gewalt“ setzt der Dachverband des VBE NRW, der DBB NRW, ein klares Zeichen und wirbt für mehr Respekt & Wertschätzung.

 


Pressemitteilung 70/2020
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