StV/KV-LOGO
20.03.2017

VBE und BVKJ: Medikamentenabgabe ist keine Aufgabe von Lehrkräften

Rechtssicherheit herstellen - Schulgesundheitsfachkräfte einstellen!

Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) und der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) fordern die Ausbildung und den zeitnahen, bedarfsgerechten und flächendeckenden Einsatz von Schulgesundheitsfachkräften. Beide Verbände haben Bildungs- und Gesundheitsministerinnen und -minister in Bund und Ländern mit einem gemeinsamen Forderungsbrief angeschrieben.

Der Landesvorsitzende des VBE NRW, Udo Beckmann, zeigt die Dringlichkeit auf: „Durch Inklusion ist nicht nur die pädagogische Herausforderung gewachsen, sondern auch der Anspruch an eine medizinische Versorgung der Kinder gestiegen. Und da geht es nicht um Schnupfen, sondern zum Beispiel um Krebs, Epilepsie und schwerwiegende Allergien sowie chronische Erkrankungen. Die Schulgesetze regeln in unterschiedlicher Weise die Bestimmungen zu Assistenz bei der Medikamentengabe. Um „Bitten“ der Eltern nachzukommen und Inklusion zu ermöglichen, begeben sich Lehrkräfte in Graubereiche des Rechts. Damit provoziert die Politik eine Freiwilligkeitsfalle – mit möglicherweise schwerwiegenden Folgen.“

Der BVKJ und der VBE fordern:

Inklusion muss zu Ende gedacht werden. Die Politik darf die Verantwortung nicht einfach auf die Lehrkräfte abschieben. Medizinische Assistenz sollte von dafür ausgebildetem Personal durchgeführt werden.

Der Präsident des BVKJ, Dr. Thomas Fischbach, stellt fest: „Es gibt steigende Erkrankungsraten mit chronischen Krankheiten. Auch und insbesondere das Auftreten von Diabetes Typ2-Erkrankungen haben sich in den letzten Jahren verfünffacht. Kinder, die chronische Krankheiten haben, benötigen fortlaufend, auch während des Schulalltags, medizinische Assistenz.“

Der BVKJ und der VBE fordern:

Kinder mit chronischen Erkrankungen müssen die Schule besuchen können. Der Staat muss auch daher eine medizinische Grundversorgung durch Schulgesundheitsfachkräfte an allen Schulen sicherstellen.

Laut einer Studie der Weltgesundheitsorganisation sind die Gesundheitschancen und Entwicklungsmöglichkeiten zwar besser als je zuvor, aber viele junge Menschen verhalten sich weiterhin gesundheitsbeeinträchtigend. Aus einer anderen WHO-Studie (HBSC) geht hervor: Bei bis zu 10 Prozent der Kinder eines Schuljahrgangs sind langanhaltende körperliche oder psychische Auffälligkeiten festzustellen. Zudem ist belegt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen Gesundheit und Bildungserfolg gibt. Auch daraus ergibt sich nach Auffassung von BVKJ und VBE die Verpflichtung des Staates, präventiv tätig zu werden. Die Bundesregierung hat 2015 das Präventionsgesetz erlassen und damit die gesetzliche Grundlage dafür geschaffen, dass „bestehende[…] Gesundheits- und Früherkennungsuntersuchungen für Kinder, Jugendliche und Erwachsene weiterentwickelt werden“.

Der BVKJ und der VBE fordern:

Zusätzlich zu den regelmäßigen Untersuchungen bei dem Kinder- und Jugendarzt müssen Schülerinnen und Schülern Angebote zur Gesundheitsprävention erhalten. Die Lehrkräfte können dies nicht zusätzlich leisten. Schulgesundheitsfachkräfte sollen präventive Angebote machen und damit zu einer gesünderen Lebensweise der Schülerinnen und Schüler beitragen.

Udo Beckmann, VBE-Landes- und Bundesvorsitzender, fasst zusammen: „Lehrkräfte haben Bildungs- und Erziehungsauftrag. Die medizinische Betreuung, die Medikamentengabe und Präventionskurse müssen von Schulgesundheitsfachkräften übernommen werden, bzw. die Lehrkräfte müssen bei Gesundheits- und Präventionsprojekten unterstützt werden. Auch die Beratung von Eltern ist ein wichtiger Aspekt.“

Dr. Thomas Fischbach, BVKJ-Präsident, ergänzt: „Medizinische Assistenz an der Schule sollte nur von medizinischen Fachkräften ausgeübt werden. Wir erkennen das hohe Engagement der Lehrkräfte an, aber stellten fest: Das darf kein Dauerzustand sein. Deshalb fordern wir von der Politik einen entschiedenen Kurswechsel, damit Deutschland endlich in dieser Frage zu einem weltweiten Standard aufschließt.“

In Brandenburg und Hessen laufen bereits Modellprojekte, erste Schulgesundheitsfachkräfte wurden ausgebildet und werden nun eingesetzt. Beckmann fragt: „Auf was wartet die Politik? Das Curriculum steht, die ersten Fachkräfte werden eingesetzt. Wir fordern, dass Modellprojekte schnellstmöglich auch in anderen Ländern begonnen werden und wir zeitnah zu einem flächendeckenden Einsatz kommen.“


Pressemitteilung 15-2017
Weitere Artikel im Bereich "PM 17"
10.03.2017
VBE: Der Schulfrieden hat oberste Priorität

Vor dem Hintergrund der Diskussion um Beten in der Schule sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung NRW: "Religion hat sehr wohl Platz in Schule - sowohl im Religionsunterricht als auch bei Diskussionen in anderen Fächern.

06.03.2017
VBE: Investition in Kita-Leitung ist eine Investition in Bildungsqualität

Immer noch acht Prozent aller Kindertageseinrichtungen haben in NRW keine vertraglich festgelegte Zeit für Verwaltung und Leitung, meldet die Bertelsmann-Stiftung. Auch wenn NRW damit über dem Bundesdurchschnitt liegt, sind das immer noch zu viele, findet der Verband Bildung und Erziehung (VBE) NRW.

02.03.2017
VBE: Maßnahmen überfällig

„Die heute vom Schulministerium veröffentlichten Zahlen machen erneut den dringenden Handlungsbedarf im Hinblick auf die unbesetzten Schulleiterstellen deutlich“, erklärt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW.

21.02.2017
VBE: Wenig Innovatives in Sachen Schulpolitik

Zum heute vorgestellten Regierungsprogramm der CDU NRW sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung NRW: „Wir begrüßen es sehr, dass der Masterplan Grundschule Eingang in das Programm der CDU gefunden hat und sich die CDU ausdrücklich zur Gesamt- und Sekundarschule bekennt.“ 

16.02.2017
VBE: Lehrer erwarten mehr Unterstützung bei Gewalt

„Unsere Botschaft aus der ‚Gewalt gegen Lehrkräfte‘ - Umfrage ist im Landtag angekommen“, kommentiert Udo Beckmann den Entschließungsantrag der Fraktionen von SPD und Grünen im Landtag. Die Regierungsfraktionen haben damit Maßnahmen gefordert, mit denen die Landesregierung Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes besser vor Übergriffen schützen sollen (Drucksache Nr.16/13308).

09.02.2017
VBE: Druck für eine gerechtere Bezahlung erhöhen

Im Tarifstreit zwischen Gewerkschaften und der Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) haben sich heute Lehrkräfte, Sozialarbeiter, Polizisten und weitere Beschäftigte des Öffentlichen Dienstes der Länder zum zentralen Warnstreik in Düsseldorf versammelt.Die Gewerkschaften verhandeln seit dem 18. Januar mit der TdL über eine Gehaltserhöhung für die Tarifbeschäftigten der Länder. Auch in der zweiten Verhandlungsrunde am 30./31. Januar haben die Arbeitgeber kein akzeptables Angebot vorgelegt.

08.02.2017
VBE: Entscheidung für weiterführende Schule mit Blick auf das Kind treffen

Lehrkräfte an den Grundschulen haben ihren Viertklässlern mit den aktuellen Halbjahreszeugnissen die Empfehlung für die weiterführenden Schulen mit nach Hause gegeben. Die Empfehlung ist nicht bindend.

01.02.2017
VBE begrüßt gleiche Bezahlung für alle Lehrkräfte

„Wir freuen uns sehr, dass auch die Grünen die Notwendigkeit erkannt haben, dass gleichwertige Arbeit gleich besoldet werden muss“, sagt der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung Udo Beckmann über die Aussage der Grünen Spitzenkandidatin Sylvia Löhrmann. Die amtierenden Schulministerin äußerte sich in einem Pressegespräch im Landtag, dass ihre Partei zukünftig eine Bezahlung nach A 13 einführen möchte.

30.01.2017
VBE: Jede dritte Lehrkraft beklagt Lehrermangel

41 Prozent der Lehrkräfte benennen die Umsetzung von Inklusion/Integration, 28 Prozent den Lehrermangel, 17 Prozent das Gebäude und 13 Prozent die Ausstattung als größte Probleme an ihrer Schule. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) hatte das Meinungsforschungsinstitut forsa Ende 2016 damit beauftragt, Lehrkräfte zu fragen, was die größten Probleme an ihren Schulen sind.

27.01.2017
VBE: Digitalisierung endlich in Gang bringen

„Der Bericht der Medienberatung bestätigt leider nur, was wir schon lange wissen: Schulen in NRW sind von einer zeitgemäßen IT-Ausstattung noch weit entfernt“, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) NRW. Nach einer Studie der Medienberatung NRW, die heute in einer aktuellen Stunde im Landtag diskutiert wurde, leiden Schulen unter einer dramatischen Unterversorgung mit schnellem Internet.

19.01.2017
VBE: Ablehnung des Masterplans ist Schlag ins Gesicht der Grundschulen

Die Arbeit in den Grundschulen ist aus Sicht des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) aus der Balance geraten. Diese haben die Grundschulumfragen des VBE von Mai und November 2016 gezeigt.

16.01.2017
VBE: Hohe Dunkelziffer bei Gewalt gegen Lehrkräfte

„Die Daten der Landesregierung und das Eingeständnis einer hohen Dunkelziffer bestätigen die Einschätzung des Verbands Bildung und Erziehung, dass Gewalt gegen Lehrer ein Tabuthema ist, zu dessen Verhinderung mehr getan werden muss“, sagt Udo Beckmann, Vorsitzender des VBE NRW anlässlich einer aktuellen Auswertung von anerkannten Dienstunfällen von Lehrkräften. Die Daten, die das Schulministerium als Antwort auf eine CDU-Anfrage dem Landtag vorlegte, stammen aus dem Jahr 2015.

10.01.2017
VBE: Inklusion braucht landesweite verbindliche Standards

„Die Entscheidung verhindert eine dringend notwendige Verbesserung der erforderlichen Inklusionsleistungen der Kommunen“, kommentiert Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbands Bildung und Erziehung NRW die heutige Rechtsprechung des NRW-Verfassungsgerichtshof.

Grafik: VBE NRW
Ihre Qualifizierung vor Ort

Termine, Orte und Anmeldung

Grafik: DKLK
Düsseldorf, 25. - 26. April 2017

Anmeldung, Anfahrt, Programm

Grafik: VBE NRW
Schule heute

Ausgabe März 2017

Grafik: © jannoon028/shutterstock.com
E[LAA]N

Ausgabe 63


URL dieses Artikels:
http://www.vbe-nrw.de/menu_id/637/content_id/5074.html

VBE-Bezirksverbände

Arnsberg Detmold Düsseldorf Köln Münster

copyright © 2001 - 2017 Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW