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09.11.2020

Inklusion aus Sicht der Lehrkräfte – Ergebnisse einer aktuellen Umfrage des VBE NRW

VBE: Schulische Inklusion ist und bleibt eine Baustelle

PM 7420

„Für eine gelingende Umsetzung schulischer Inklusion bedarf es mehr als guten Willen und warmer Worte. Es mangelt weder an der Einstellung noch am Engagement der Lehrkräfte, sondern an der Unterstützung durch die Politik“, kommentiert der Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), Stefan Behlau, die Ergebnisse der repräsentativen forsa-Umfrage zum Thema „Inklusion“.

Diese wurde vom VBE bereits zum dritten Mal in Auftrag gegeben. So liefert sie nicht nur einen Einblick in aktuelle Bedingungen an Schule, sondern zeigt im Zeitverlauf von 2015 über 2017 bis 2020 auch Veränderungen auf. Die in NRW befragten 514 Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen bewerteten auch die Auswirkungen der coronabedingten Einschränkungen auf die Inklusion.

57 % der befragten Lehrkräfte in NRW halten nach wie vor das Gemeinsame Lernen grundsätzlich für sinnvoll, doch nur ein Viertel dieser Lehrerinnen und Lehrer denkt, dass dies zurzeit auch praktisch sinnvoll umsetzbar ist. „Das Fundament der positiven Grundhaltung der Lehrkräfte müsste die politischen Architekten der schulischen Inklusion doch antreiben, den Bau weiter voranzutreiben. Stattdessen reicht es bisher nur zu einem Rohbau, bei dem die tragenden Wände löchrig sind und der Dachstuhl fehlt“, so Behlau. Der Inklusionspolitik der Landesregierung in NRW stellen die Befragten wohl auch deshalb mit einer Durchschnittsnote von 4,7 ein schlechtes Zeugnis aus.

Positiv ist, dass die Unterstützung vor Ort durch spezielles Personal der Umfrage nach in NRW deutlich höher ist als im Bundesschnitt. So geben 51 % der befragten Lehrkräfte an Schulen mit inklusiven Lerngruppen in NRW an, multiprofessionelle Teams an den Schulen zu haben. Im Bundesdurchschnitt geben das nur 36 % der Lehrkräfte an. „Hier sind Schritte in die richtige Richtung zu erkennen, allerdings muss auch sonderpädagogische Expertise an den Schulen in ausreichendem Maße vorhanden sein“, erläutert der Landesvorsitzende. Den derzeitigen Mangel an sonderpädagogischen Lehrkräften zeigt die Umfrage aber auch auf, denn nur 51 % der befragten Lehrkräfte, die in inklusiven Lerngruppen arbeiten, geben an, dass sie gemeinsam mit sonderpädagogischen Lehrkräften unterrichten können. Obwohl fast alle befragten Lehrkräfte gerade eine Doppelbesetzung für einen entscheidenden Gelingensfaktor halten.

„Zeit ist eine entscheidende Ressource für die Schule insgesamt, für die schulische Inklusion aber im Besonderen. Leider lässt sich die Politik viel zu lange Zeit, den Lehrkräften und dem pädagogischen Personal die Ressource Zeit zu geben“, versteht Behlau das Ergebnis der Umfrage, welches zeigt, dass der kollegiale und fachliche Austausch, der für eine gelingende schulische Inklusion ein wichtiger Baustein ist, noch viel zu stark unter dem Mangel an Zeit leidet. Denn nur 28 % der befragten Lehrkräfte in NRW an Schulen mit inklusiven Lerngruppen geben an, dass sie über Strukturen verfügen, sich über die Herausforderungen inklusiven Unterrichts auszutauschen. Dabei verlangt gerade die Multiprofessionalität diese institutionalisierte Kooperation der unterschiedlichen Expertisen – und zwar innerhalb der Arbeitszeit.

Besorgniserregend ist, dass 52 % der befragten Lehrkräfte angeben, dass ihr Schulgebäude überhaupt nicht barrierefrei ist. Auffallend hierbei ist, dass dies sogar 63 % der befragten Grundschullehrkräfte angeben. „Ein Blick auf die bauliche Situation der Schulen verdeutlicht vielleicht mehr als andere, dass nicht nur die Inklusion, sondern letztlich die gesamte Schulpolitik einer riesigen Baustelle gleicht – schon lange vor Corona. Die Pandemie lässt die vorhandenen Baumängel nur noch deutlicher zutage treten. Es ist Zeit, endlich anzupacken und gemeinsam mit allen Beteiligten für unsere Kindern und Jugendlichen Schullandschaften zu gestalten und Schulen zu bauen, die sie verdienen“, fordert Behlau.

Weitere Ergebnisse:

  • Fortbildung: Das Fortbildungsangebot, um sich auf die Arbeit mit inklusiven Lerngruppen vorzubereiten, bewerten die befragten Lehrkräfte in NRW mit der Durchschnittsnote 4,4. 
  • Auswirkungen Corona-Zeit: Nur 23 % der Befragten an Schulen mit inklusiven Lerngruppen gaben an, dass zur Zeit der Schulschließungen sonderpädagogische Maßnahmen durchgeführt werden konnten. Dies zeigt im Zusammenhang mit dem Ergebnis, dass 73 % der Meinung sind, dass es während der Schließungszeit nicht gelungen ist, Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf ausreichend zu fördern, dass gerade diese Schülergruppe unter den Folgen der Schulschließungen aufgrund der Pandemie zu leiden hatten. Nachdenklich stimmt in diesem Zusammenhang, dass 73 % der befragten Lehrkräfte angaben, dass auch bei den späteren Schulöffnungen die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf von den Vorgaben des Schulministeriums nahezu vergessen wurden.

VBE NRW - Forderungen zur schulischen Inklusion:

Gelingende Inklusion benötigt Investitionen und angemessene Rahmenbedingungen. Zu den Gelingensbedingungen für die Inklusion an Regelschulen gehören:

  • die Doppelbesetzung aus Lehrkraft und sonderpädagogischer Lehrkraft,
  • der Ausbau der Unterstützung durch multiprofessionelle Teams,
  • kleinere Klassen, 
  • die schulbaulichen Voraussetzungen, 
  • angemessene Aus-, Fort- und Weiterbildung, 
  • die Institutionalisierung kollegialen und fachlichen Austauschs innerhalb der Arbeitszeit.


Eine Zusammenfassung der Auswertung sowie die Auswertung der Umfrageergebnisse finden Sie hier.

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