VBE – Den Rechtschreibunterricht in der Schule stärken

14.05.2019

Schon jetzt freuen sich „die Großen in unseren Kitas“ auf ihre Einschulung, weil sie natürlich wie die Erwachsenen Lesen und Schreiben lernen möchten. Doch was erwartet die Kinder dort?

Die Rechtschreibung ist seit Jahren Aufregerthema in unseren Schulen. Die Methode „Lesen durch Schreiben“ ist nicht erst im Herbst 2018 nach einer Bonner Uni Studie in die Kritik geraten, wonach Grundschüler Orthografie am besten nach der klassischen Fibelmethode erlernen – also Buchstabe für Buchstabe.

Diese umstrittene Methode „Lesen durch Schreiben“ soll laut Ministerin Gebauer nun lediglich auf den Anfangsunterricht begrenzt werden. Künftig sollen Grundschüler einen verbindlichen Grundwortschatz von 533 Wörtern mit allen Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung beherrschen – für den VBE nichts Neues!

Der VBE ist hier der Ansicht, dass „Nebenkriegsschauplätze“ im Ministerium geschaffen werden, um von den eigentlichen Problemen in den Schulen abzulenken. Natürlich erkennt auch der Lehrerverband, dass die Rechtschreibung sich bei den SchülerInnen verschlechtert hat. Es ist aber unseriös dafür eine einzelne Methode verantwortlich zu machen. Laut einer Studie des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) erfüllt mehr als jeder fünfte Viertklässler in Deutschland die Mindeststandards bei der Rechtschreibung nicht. Aber in Mathematik werden die Leistungen der SchülerInnen auch zunehmend schlechter und dafür kann kaum die Unterrichtsmethode „Lesen durch Schreiben“ verantwortlich sein, so die Lehrergewerkschaft.

Der VBE Stadtverband Hamm betont den reflektiert konstruktiven Umgang mit der Methode: „Die Praktiker vor Ort haben längst erkannt, welche Stärken aber auch Schwächen die Methode „Lesen durch Schreiben“ hat und setzen diese Methode ohnehin nur noch zu Anfang des Schreiblernprozesses ein, um die Kinder zum Schreibenlernen zu motivieren.  Es gibt „starke Schreiber“, die gelangweilt sind, eine Woche lang ein und denselben Buchstaben zu erarbeiten und durch ihre älteren Geschwister eventuell schon weiter im Lernprozess sind.

Allein die Vorzüge der kritisierten Methode werden im Zusammenspiel mit anderen Methoden genutzt. Und es ist richtig: Längst nicht für alle Kinder ist diese Methode geeignet. Nicht selten sind Kinder nach dem Schreibprozess nicht mehr in der Lage, ihr Geschriebenes zu lesen oder sie werden korrigiert und nehmen wahr, dass sie eben nicht wie die Erwachsenen schreiben. Oftmals ist die Methode dann demotivierend.  Deshalb gilt es, an einer Methodenvielfalt bei einer sehr heterogenen Schülerschaft festzuhalten, so der VBE.

Besonders die absolut verbreitete Kritik  stößt dem VBE auf. Kinder aus verschiedenen Nationen und Kulturen lernen wie in keiner anderen Schulstufe und Schulform in der Grundschule zusammen. Grundschullehrkräfte differenzieren ihre Unterrichtsinhalte auf der Grundlage der Lernentwicklung und der Fähigkeiten der Kinder, mit denen sie täglich arbeiten. Jedes Kind hat einen eigenen Zugang zum Lernen und demzufolge auch zur Erarbeitung der Rechtschreibung. Ein einseitiges Verbot einer Methode ist keine Lösung und steht im krassen Widerspruch zu der von der Politik immer wieder geforderten Selbstverantwortlichkeit und der Methodenfreiheit zur individuellen Förderung.

Den Eindruck zu erwecken, dass die Methode „Lesen durch Schreiben“ vielfach in Reinform unterrichtet werde, widerspricht der Realität. Der richtige Methodenmix ist der Schlüssel zum Schreibenlernen. Die Gewerkschaft kann nicht nachvollziehen, was die Ministerin in dieser Sache für „ein Fass aufmacht“, um letztendlich Eltern populistisch zu verunsichern und von eigentlichen Problemen in den Schulen abzulenken.

Letztlich sieht der VBE die Ursache der schlechteren Schülerergebnisse ganz woanders: Die Klassen werden immer heterogener und die Aufgabenfülle der Lehrerschaft nimmt kontinuierlich zu. Rückblickend konnten sich Lehrerinnen und Lehrer noch auf die Vermittlung von Kernkompetenzen wie Lesen, Schreiben und Rechnen konzentrieren, heute gibt es ein so vielfältiges Lernangebot im Schulmorgen, dass Kernkompetenzen oftmals in den Hintergrund treten müssen. Zum anderen müssen sich LehrerInnen heute neben dem regulären Unterricht auch um Inklusion und Integration kümmern. Da ist die individuelle Betreuung der SchülerInnen oftmals kaum noch möglich.

Wir brauchen mehr grundständig ausgebildete Lehrkräfte und zusätzlich pädagogisch ausgebildetes Personal, das sich auf seine ureigenen Aufgaben konzentrieren darf, dann wird sich auch die Rechtschreibung der Grundschüler wieder verbessern, so der VBE.

Text: Elke Linnemann-Rittmann, VBE Hamm

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