Stellungnahme des VBE NRW zum Antrag Mehr Demokratie wagen

05.03.2019

Anhörung am 13.03.19 Ausschuss für Schule und Bildung im Landtag NRW

Zum Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN 
„Mehr Demokratie wagen Stärkung der Demokratiekompetenz in der Schule als Garant für eine demokratische Gesellschaft“ (Drucksache 17/4441) und zum Entschließungsantrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP zum Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/4441 – „Mehr Demokratie wagen – Stärkung der Demokratiekompetenz in der Schule als Garant für eine demokratische Gesellschaft“ (Drucksache 17/4798)


Der VBE NRW begrüßt ausdrücklich, dass der Landtag sich mit der Thematik der Demokratiekompetenz und Demokratieerziehung in Schule auseinandersetzt.

Allerdings scheint es nicht zielführend, sich darüber zu streiten, inwieweit das Fach Politik/Wirtschaft mit welchen inhaltlichen Fragestellungen in Prozentzahlen ausgefüllt wird oder ob das Erlernen und Erfahren von Demokratie theoretisch eine Querschnittsaufgabe in Schule darstellt und dadurch eine Begründung der Stärkung der Ökonomischen Bildung gerechtfertigt ist.

Dem VBE NRW geht es um die Wirklichkeit an den Schulen und damit um die Wirksamkeit auf die Schülerschaft und unsere Gesellschaft im Ganzen.

Der VBE NRW befürwortet generell eine Stärkung der Demokratiekompetenz in der Schule.

Das Grundgesetz feiert in diesem Jahr seinen 70. Geburtstag und ist aktueller denn je. In Schule geht es nicht nur um die kognitive Kenntnis der Basis unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung, sondern auch um das Erleben ihrer Wirksamkeit und die Erkenntnis, dass Demokratie stets eine aktive Handlung und eine bewusste Wahrnehmung erforderlich macht. Gerade aber die aktive Beteiligung am demokratischen Prozess scheint in den letzten Jahren rückläufig zu sein. Demokratie lebt von Beteiligung – dies den Schülerinnen und Schülern zu verdeutlichen und die Kenntnisse über die Grundlagen zu vermitteln ist Aufgabe von Schule.

Im November 2018 veröffentlichte der Verband Bildung und Erziehung (VBE) eine repräsentative Umfrage zur Werteerziehung, für die 1.111 Eltern schulpflichtiger Kinder und 1.185 Lehrerinnen und Lehrer an allgemeinbildenden Schulen befragt wurden. Das Ergebnis dieser Umfrage zeigte in überwältigender Deutlichkeit auf, wie wichtig die Themen der Werteerziehung, eine Orientierung an den gesetzlich verankerten Bildungs- und Erziehungszielen und damit der Stärkung der Demokratiekompetenz in der Schule sowohl von Eltern als auch von Lehrkräften eingeschätzt werden.

Offensichtlich wurde, dass Eltern und Lehrkräfte die Bedeutung der verschiedenen Bereiche als sehr hoch einschätzten, aber feststellen mussten, dass deren Umsetzung in den Schulen bei weitem nicht erreicht wird.

Im Folgenden einige wesentliche Beispiele aus der Umfrage:

 

Themen Eltern Eltern Lehrkräfte Lehrkräfte
Bildungs- und Erziehungsziel Bedeutung % Erreichung % Bedeutung % Erreichung %
Orientierung an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung/Demokratieerziehung 82 46 95 57
Erwerb sozialer Kompetenz 93 56 98 62
Erwerb von Konfliktfähigkeit/der friedliche Umgang mit Konflikten 92 56 97 54
Anerkennung gesellschaftlicher Grundwerte 91 53 96 56
Achtung der Menschenrechte 91 59 97 62
Schaffung von Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt 89 48 94 38
Einüben von Toleranz 86 55 97 57
Einsatz für den Frieden 72 35 86 33
Anerkennung von kultureller Vielfalt 70 55 89 57


Sowohl Eltern als auch Lehrkräfte sehen klare Defizite bei der Umsetzung aller Ziele. Als Gründe für ein Nicht-Erreichen einzelner Bildungs- und Erziehungsziele nennen Eltern und Lehrkräfte die nicht ausreichende Berücksichtigung im Lehrplan. Dort, wo die Umsetzung bestimmter Ziele im Lehrplan verankert ist, gelingt auch deren Umsetzung.

Eltern und Lehrkräfte beurteilen die praktische Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema, z.B. in Form von Projektwochen oder Workshops, als zweitwichtigsten Grund für das Erreichen bestimmter demokratischer Erziehungsziele.

Ein weiteres wichtiges Ergebnis der Umfrage ist es, dass Schulen adäquater und entschiedener von der Politik dabei unterstützt werden müssen, besonders die jungen Menschen in ihrer Entwicklung einer reflektierten Wertehaltung und damit an einer Orientierung an der freiheitlich-demokratischen Grundordnung zu fördern, bei denen dies durch deren sozialen oder kulturellen Hintergrund nicht ausreichend gegeben ist.

Der vorliegende Antrag der Fraktion der SPD und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN als auch der vorliegende Entschließungsantrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der FDP betreffen aus Sicht des VBE NRW nur unzureichend und am Rand die vorliegenden Situationen an den Schulen.

In beiden Anträgen liegen Aussagen vor, die der VBE NRW unterstreicht. Dennoch gehen dem VBE NRW die Forderungen nicht weit genug.

Die Schulen benötigen

  • Gestaltungsräume und Zeit, um Demokratie- und Werteerziehung zu implementieren und erlebbar zu machen.
  • ein von Politik und Gesellschaft getragenes gemeinsames Demokratieverständnis
  • notwendige Ressourcen, Rahmenbedingungen und Unterstützungsleistungen, wie z.B.
    o ausreichend verschiedene pädagogische Professionen,
    o adäquate Voraussetzungen für die Erziehungspartnerschaften zwischen Lehrkräften und Eltern.
  • ein verbessertes, intensiveres und standardisiertes Angebot von Veranstaltungen zur Demokratieerziehung in allen Phasen der Lehreraus- und -fortbildung.
  • ein verstärktes gesellschaftliches Engagement, welches außerschulische Angebote an die Schulen heranträgt und die Lehrkräfte in der Demokratieerziehung unterstützt.

Wenn es nicht gelingt, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Haltung in einer Demokratie für eine freiheitlich-demokratische Grundordnung entwickeln können, hat das erschreckende Auswirkungen auf unsere gesamte Gesellschaft.

Schulen benötigen keine Kontroversen um die Einführung neuer Fächer oder Fachinhalte, Lehrkräfte benötigen Freiraum und den Gestaltungsspielraum, um die Schülerinnen und Schüler auf ein Leben in der demokratischen Welt und der sozialen Marktwirtschaft wirksam vorbereiten zu können. Schulen benötigen ausreichend Freiräume und Zeit, eine grundlegende Demokratieerziehung als selbstverständlichen Teil ihrer Schulprogramme zu verankern und erlebbar zu machen.

Stefan Behlau
Vorsitzender VBE NRW

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