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17.05.2016

Lehrer stellen Landesregierung erneut schlechtes Zeugnis für Inklusion aus

Zwei Jahre Inklusion in NRW: Forsa-Umfrage unter Lehrkräften

Die schulische Inklusion ist, auch zwei Jahre nach Inkrafttreten des 9. Schulrechtsänderungsgesetz, personell mangelhaft ausgestattet, das Personal ist schlecht vorbereitet und wird unzureichend unterstützt. Das sind die zentralen Ergebnisse der repräsentativen VBE-Umfrage zur inklusiven Praxis in NRW.

Seit dem Schuljahr 2014/2015 haben Kinder mit einer Behinderung grundsätzlich das Recht, gemeinsam mit anderen Kindern an einer allgemeinbildenden Schule unterrichtet zu werden. Vor diesem Hintergrund hat der Verband Bildung und Erziehung NRW jetzt zum zweiten Mal das Institut Forsa Lehrerinnen und Lehrer zu ihren Erfahrungen mit der Inklusion befragen lassen. Udo Beckmann, der Vorsitzende des VBE NRW sagt: „Die schon in der ersten Forsa-Umfrage 2015 aufgedeckten Mängel, zu große Lerngruppen, zu geringe sonderpädagogische Unterstützung und keine Vorbereitung auf die neuen Herausforderungen bestehen leider fast unverändert. Das sollte der Landesregierung, die unter dem Motto „Kein Kind zurücklassen, angetreten ist, die Schamesröte ins Gesicht treiben.“

Praktisch alle Lehrer (94 Prozent) sind der Auffassung, dass es in inklusiven Schulklassen eine Doppelbesetzung aus Lehrer und Sonderpädagoge geben sollte. Fast niemand (4 Prozent) hält dies für überflüssig. Wunsch und Wirklichkeit klaffen dabei weit auseinander. 61 Prozent der Lehrer, die in Schulen mit inklusiven Lerngruppen unterrichten, geben an, dass die Lerngruppe für gewöhnlich von einer Person unterrichtet wird.

 

Während 85 Prozent der Lehrer (im Vorjahr 80 Prozent) angeben, dass sie an ihrer Schule bereits Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf unterrichten, hat sich die Klassengröße für jeden Zweiten mit dem inklusiven Unterricht nicht verändert. Nach Angaben von zwei Prozent (im Vorjahr vier Prozent) der Lehrer wurde die Klasse sogar vergrößert.

 

Gut eingearbeitet fühlen sich die wenigsten. Dass die inklusiv unterrichtenden Lehrkräfte an ihrer Schule über keine sonderpädagogische Kenntnisse verfügen, sagen 54 Prozent der Lehrer. Ebenso viele bewerten das Fortbildungsangebot als mangelhaft oder schlechter. Insgesamt bekommt es die Durchschnittsnote 4,5. Nur zwei von drei Befragten haben an ihrer Schule die Unterstützung durch einen Sozialpädagogen oder Sonderpädagogen. Mehr als die Hälfte der Befragten hatte nur wenige Wochen Zeit, sich auf inklusives Unterrichten vorzubereiten.

 

„Es ist fast so, als würde ein Hausarzt plötzlich am Operationstisch stehen. Die Grundkenntnisse sind zwar vorhanden, aber es fehlt die fachliche Übung und Vorbereitung“, sagt Beckmann. So vergeben die Lehrer für die personelle Ausstattung die Durchschnittsnote 4,8. Beckmann kommentiert: „Wir erkennen an, dass die Landesregierung zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt hat. Aber es reicht nach wie vor bei weitem nicht, um Kinder mit und ohne Handicap die qualitative Förderung zukommen zu lassen, die erforderlich ist.“ Ein Beleg dafür ist aus Sicht des VBE, dass fast 1.000 der 3.000 Grundschulen keinen Sonderpädagogen haben, aber verpflichtet sind, sonderpädagogisch zu fördern.

 

Trotz der Kritik, die Akzeptanz für Inklusion generell ist, seit der letzten Befragung 2015, um sechs Prozent angestiegen. Unter der Voraussetzung, dass die finanzielle und personelle Ausstattung für einen inklusiven Unterricht sichergestellt wäre, halten aktuell 60 Prozent der befragten Lehrer eine gemeinsame Unterrichtung grundsätzlich für sinnvoll. Aber nahezu alle Lehrer (95 Prozent) sind dafür, dass auch bei Errichtung eines inklusiven Schulsystems die bisherigen Förder- und Sonderschulen alle (54 Prozent) bzw. teilweise (41 Prozent) erhalten werden sollten.

 

Auf der Basis der aktuellen Umfrage stellt der VBE folgende Forderungen an die Landesregierung:

- Sicherstellung einer weitgehenden Doppelbesetzung aus Sonderpädagoge und Regelschullehrkraft in inklusiven Lerngruppen (+7000 Stellen).

- Qualitative und quantitative Verbesserung des Fortbildungsangebots.

- Deutlich kleinere Lerngruppen.

- Hinreichend Zeit zur Vorbereitung auf das Arbeiten in inklusiven Klassen und Zeitressourcen für die Arbeit im Klassenteam.

- Bereitstellung der räumlichen und sächlichen Voraussetzung durch die Schulträger.

 

Zur forsa-Umfrage


Pressemitteilung 15-2016
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