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12.11.2014

VBE: Jede zweite Lehrkraft ohne geschützte Dienst-E-Mail-Adresse

Forsa Lehrerumfrage im Auftrag des VBE

Deutschlands Schulen können von einer zeitgemäßen IT-Ausstattung nur träumen. Dennoch nutzen neun von zehn Lehrkräften das Internet im Unterricht. Die Kenntnisse dafür haben sich die Lehrer vor allem privat angeeignet. Das ergibt eine Repräsentativbefragung von Lehrern, die der VBE bei forsa in Auftrag gegeben hatte. Befragt wurden dafür bundesweit und in NRW Lehrkräfte von der Grundschule bis zur berufsbildenden Schule. Eine vergleichbare Lehrerumfrage gibt es bisher nicht. Der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann stellte heute in Düsseldorf die Ergebnisse vor.

Landespressekonferenz IT Udo Beckmann
„Die IT-Ausstattung der Schulen ist mittelalterlich“, kritisierte Udo Beckmann. „Wer digitales Lernen in den Schulen ernsthaft installieren will, muss eine zeitgemäße Ausstattung aller Schulen, von der Grundschule bis zu den berufsbildenden Schulen, sichern. Und das ist allein in Verantwortung der Dienstherren und Schulträger zu realisieren.“ Schulen seien weit davon entfernt, dass der PC für Lehrkräfte zum alltäglichen persönlichen Arbeitsgerät am Arbeitsplatz Schule zähle. PCs ständen in der Regel als Einzelexemplar im Lehrerzimmer, bei der Schulleitung oder in Computerräumen. „15 Prozent (22 Prozent)* aller befragten Lehrer landesweit haben nicht einmal Zugang zu einem solchen PC. Von den befragten Grundschullehrkräften** haben 27 Prozent keinerlei Zugang zu einem Dienst-PC“, sagte Beckmann, „Insbesondere die Grundschulen seien abgehängt, auch auf diesem zukunftsträchtigen Feld.“ Ein schnelles Internet würden nur 59 Prozent der befragten Grundschullehrkräfte für ihre Schule angeben. Den Zugang an der Grundschule zu einer geschützten Online-Plattform für Unterricht, Hausaufgaben oder Elternkontakte bestätigte nur ein knappes Drittel, während landesweit 39 Prozent (42 Prozent) der Befragten den Zugang bestätigen würden.

Als Skandal bezeichnete Udo Beckmann, dass im Bundesdurchschnitt nur 52 Prozent (57 Prozent) der befragten Lehrkräfte das Vorhandensein einer geschützten dienstlichen E-Mail-Adresse bestätigen. Sogar ein Viertel der befragten Schulleitungsmitglieder** muss ohne geschützte Dienst-E-Mail-Adresse auskommen. „Das ist nichts anderes als eine Ermunterung der Schulen durch die Verantwortlichen von Land und Schulträgern zu einem fahrlässigen Umgang mit Daten“, so Beckmann. „Im beruflichen Alltag fällt eine Vielzahl zu schützender Daten über Schüler und deren Lernsituation sowie über interne Arbeitsprozesse in der Schule an. Auch Schulämter, Schulverwaltungen und Ministerien fragen regelmäßig Daten ab, die vor Missbrauch unbedingt zu schützen sind. Der VBE fordert geschützte dienstliche E-Mail-Adressen für jeden Lehrer, damit das Gebot des Datenschutzes garantiert wird.“

Beckmann stellte weiter fest: „Nicht nur die IT-Ausstattung ist mangelhaft, überdies wird auch die technische Betreuung den Schulen selbst überlassen. Weniger als die Hälfte der befragten Lehrerinnen und Lehrer berichtet, dass sich an ihrer Schule IT-Fachpersonal bzw. ein IT-Support darum kümmert. 71 Prozent (71 Prozent) geben dagegen an, dass sich einzelne Fachlehrer um die Wartung kümmern.“ Als Privatangelegenheit werde offenbar vom Dienstherrn auch die Aneignung von Kenntnissen für IT-gestützten Unterricht behandelt, erklärte Beckmann: „Lehrerfortbildung als Fehlanzeige!“ Neun von zehn der befragten Lehrkräfte haben sich überwiegend auf privatem Wege Kenntnisse angeeignet, jeder dritte auch mithilfe von Kollegen. „Die digitale Schule wird vom Dienstherrn als Privatangelegenheit auf die Lehrer abgeschoben“, alarmiert Beckmann: „Auch das ist Rotstiftpolitik auf dem Rücken der Lehrkräfte. In der Lehrerarbeitszeit ist dafür kein Zeitfenster vorgesehen.“

Beckmann zieht sein Fazit aus der forsa-Umfrage: „Lehrkräfte machen aus den unterbelichteten IT-Verhältnissen an ihrer Schule das Beste, um ihren Schülern IT-Bildung so gut wie eben möglich zu vermitteln. Von digitaler Verweigerung kann keine Rede sein. Es muss endlich Schluss damit sein, das Thema IT als Privatvergnügen der Lehrer anzusehen. Die zuständige Politik muss das Geld für die digitale Aufrüstung der Schulen bereitstellen und darf sich nicht auf Appelle zum Sponsoring zurückziehen.“

* Zahlen in Klammern geben die Werte der bundesweiten Ergebnisse an.

** Aussagen zu den Schulformen/Schulleitern wurden nur bundesweit erfasst

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Pressemitteilung 55-14
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