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01.10.2014

VBE: FDP-Antrag strotzt vor Ignoranz

Aktuelle Stunde im Landtag

„Hätte sich die FDP mit dem Gutachten des VBE inhaltlich auseinandergesetzt, hätte sie gemerkt, dass es im Kern um die erleichterte Gründung und Weiterführung von Schulen des längeren gemeinsamen Lernens geht. So soll sichergestellt werden, dass ein flächendeckendes Schulangebot gesichert ist. Eine Forderung, die Gymnasien abzuschaffen und Leistungsansprüche abzusenken, wird sie in dem Gutachten nicht finden“, kommentiert Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) NRW den Antrag der FDP in der heutigen aktuellen Stunde der Plenarsitzung.

Der VBE hat lediglich vorgeschlagen, in Fällen, in denen das Gymnasium die einzige weiterführende Schule am Ort ist, zu ermöglichen, das Gymnasium in eine Gesamtschule umzuwandeln, um allen Kindern der jeweiligen Kommune ein vollständiges Schulangebot bieten zu können. „Damit würde kein Gymnasiast seiner Abiturmöglichkeit beraubt“, so Beckmann, „Wieder einmal erweist sich die FDP als Lobby-Partei: Sie vertritt einseitig die Interessen der Eltern von Gymnasialschülern, die in der Regel die Minderheit in der Sekundarstufe I bilden. Dass die Mehrheit der Schüler/-innen im o. g. Fall eine Schule außerhalb der Gemeinde suchen muss, interessiert die FDP nicht – das stellt sie für die Nicht-Gymnasiasten als naturgegeben hin.“

Der Vorwurf, Schulabschlüsse würden entwertet, wenn eine Schule aufgenommene Schüler/-innen zu einem Abschluss führen muss, zeugt von Ignoranz bestehender empirischer Bildungsforschung, macht Beckmann klar: „Heterogene Lerngruppen ziehen keine Leistungseinbußen nach sich. Viele Gymnasien in NRW arbeiten bereits inklusiv, das zeigt: Eine individuelle Förderung ist möglich, auch bei Kindern mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen. Die FDP ersetzt mal wieder wissenschaftliche Erkenntnisse und Erfahrung durch Ideologie.“

Das VBE-Gutachten macht deutlich, wie sehr sich die Schullandschaft in NRW seit dem Schulkonsens verändert hat und wie nötig Änderungen und Anpassungen geworden sind. Im laufenden Schuljahr gibt es noch 233 Haupt- und 401 Realschulen – drei Jahre zuvor waren es noch 516 Haupt- und 549 Realschulen. Beide Schulformen werden immer weniger nachgefragt, dafür verlangen Eltern verstärkt nach Sekundar- und Gesamtschulen. „Dennoch konnten in den letzten drei Jahren 27 beantragte Sekundarschulen nicht gegründet werden, da die Gründungsvoraussetzungen (3 x 25 Schüler/-innen aus Grundschulen der eigenen Kommune) nicht erfüllt werden konnten – von den beantragten Gesamtschulen kamen lediglich vier nicht zustande“, erklärt Beckmann.

Dabei ist vor allem wichtig, dass vollständige Schulsysteme wohnortnah bereitgestellt werden: „Die Eltern wollen längeres gemeinsames Lernen, die Voraussetzungen für eine Sekundarschule sind jedoch so angelegt, dass eine Errichtung teilweise unmöglich wird. Deswegen muss nachgebessert werden“, so Beckmann, „auswärtige Schülerinnen und Schüler müssen bereits beim Anmeldeverfahren berücksichtigt werden, außerdem muss es erlaubt sein, zweizügige Sekundarschulen mit 48 Kindern zu genehmigen und fallweise die Umwandlung von Haupt- und Realschulen in Sekundarschulen zu ermöglichen.“

Dass durch die Vorschläge im Gutachten laut FDP die Schullandschaft gefährdet wird, ist lächerlich, so Beckmann: „Wir wollen vor allem für Schülerinnen und Schüler aus bildungsfernen Schichten ein Bildungssystem, das die Verbindung von Sozialstatus und Bildungsbeteiligung entkoppelt und allen Kindern eine individuelle Förderung garantiert. Dazu wollen wir mit unserem Gutachten Impulse setzen. Wir freuen uns, dass die Fraktionen von CDU, SPD, Piraten und Bündnis 90/Die Grünen sowie die Landesregierung in der heutigen Landtagsdebatte das Gutachten als einen konstruktiven Beitrag für die aktuelle Diskussion um die Schulentwicklung in NRW ansehen. Die FDP jedoch möchte offenbar gerne weiter im elitären Kastendenken verharren, statt sich mit der Bildungslandschaft als Ganzes auseinanderzusetzen. Das hat nichts mit Bildungsgerechtigkeit zu tun.“


Pressemitteilung 47-14
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