Neue Regeln für Qualitätsanalyse

06.09.2013
Keine Überraschungsbesuche mehr - Bedingungen verschlankt

Düsseldorf (RPO). Der Schulinspektor ist für ein Lehrerkollegium so etwas wie die Schwiegermutter vom Amt: Viel Arbeit im Vorfeld und die Hoffnung, dass der ungeliebte Besuch schnell wieder verschwindet. In NRW will die Schulministerin aus einer lästigen Pflicht Lust machen.

Qualitätskontrolle und -entwicklung an nordrhein-westfälischen Schulen soll künftig unbürokratischer, eigenverantwortlicher und weniger angstbesetzt organisiert werden.
Der Berliner Bildungsforscher Prof. Hans Pant erläuterte am Dienstag in Düsseldorf die Grundvoraussetzung: Der "Schwiegermutter-kommt-Effekt" muss aus der Schulinspektion in Deutschland verschwinden. Bislang habe der eine nachhaltige Schulentwicklung verhindert: "In der Aufräumphase zwischen Ankündigung und Besuch passiert viel - danach wenig."

Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) will jetzt nach acht Jahren Erfahrungen mit Qualitätskontrolle und -analyse in NRW neue Wege beschreiten. Der Schlüssel zu nachhaltigen Verbesserungen soll stärkere Eigenverantwortung der Schulen sein. Statt Herausputzen für den Schulinspektor und weiter so, wenn er weg ist, soll guter Unterricht mit eigenen Schwerpunkten entwickelt werden.

Keine Überraschungsbesuche mehr

Angst, Scham und Tadel müssten raus aus diesem Prozess, betonte Löhrmann. Deswegen werde es auch keine Überraschungsbesuche, sondern mit den Schulen langfristig abgestimmte Termine geben. Eine traditionell "von oben nach unten" verordnete Qualitätsentwicklung sei "ein typisch deutsches Problem", stellte Pant fest. "Wir wollen, dass die Schulen die Qualitätsanalyse nicht als lästige Pflichtübung empfinden, sondern dass alle daran arbeiten, besser zu werden", sagte Löhrmann.

Dennoch sollen die Schulen in NRW künftig in regelmäßigeren Abständen auf ihre Qualität untersucht werden. Bislang musste jede einzelne der rund 6500 Schulen in NRW rechnerisch nur alle 16 Jahre mit einer Inspektion rechnen. Ziel sei nun eine Qualitätsanalyse alle fünf Jahre, sagte Löhrmann. Da es in den Bezirksregierungen nur 90 Inspektoren für die Aufgabe gibt, konnten seit Einführung der Analyse im Schuljahr 2005/06 bislang erst 3040 Schulen daran teilnehmen.

Auch künftig sollen Inspektoren weiterhin Kernelemente des Unterrichts, Arbeitsklima und Führungskultur beurteilen. Derzeit arbeitet das Ministerium an einem Leitfaden für guten Unterricht an guten Schulen, der im kommenden Schuljahr vorgestellt werden soll.

Bedingungen verschlankt

Außerdem wird ein neuer "Unterrichtsbeobachtungsbogen" eingeführt. Die Qualitätsprüfer kreuzen dort an, wie es etwa um die Schülerorientierung, Klarheit, selbst gesteuertes Lernen, Partnerarbeit oder Unterrichtsmedien bestellt ist. Statt "Geschwurbel" biete der Bogen nur zwei Antwortmöglichkeiten, lobte Pant: "Trifft zu - trifft nicht zu".

Der Wissenschaftler vom Institut zur Qualitätsentwicklung an der Berliner Humboldt-Universität räumte aber auch mit zu schlichten Interpretationen auf: "Es gibt Super-Frontalunterricht, der ist nicht an sich schlecht." Auch Lernstandserhebungen müssten kein eindeutiger Beleg für gute oder schlechte Schulentwicklung sein: "Manche Schulen haben unter ihren Schülern so gutes Potenzial, da kann auch schlechter Unterricht nicht viel kaputt machen." Umgekehrt hätten Schulen, die in Lernstandserhebungen schlecht abschneiden, häufig mit sehr schwierigen Rahmenbedingungen zu kämpfen, etwa einem hohen Migrantenanteil oder Umstellungsprozessen.

Für die Schulen wird der Besuch der Inspektoren künftig auf jeden Fall stressfreier sein: Bislang mussten sie ein Portfolio mit 21 verschiedenen Dokumentensätzen vorlegen. Künftig sollen es nur noch vier Dokumente sein: das Schulprogramm, ausgewählte Lernpläne, Grundsätze der Leistungsbewertung und das Fortbildungskonzept.

Außerdem wird die "Schwiegermutter vom Amt" künftig möglicherweise schneller wieder verschwinden. Derzeit bleiben die Inspekteure drei bis vier Tage. Es werde geprüft, den Besuch zu verkürzen, sagte Löhrmann. Lehrerverbände lobten die Verschlankung.

Weitere Artikel im Bereich ""
30.08.2016
Fortbildungsangebote im Bezirk Münster

Jetzt anmelden!
Fortbildungsangebot im Bezirk Münster: VBE vor Ort (PDF-Programmheft)

10.11.2015
Außerordentliche Delegiertenversammlung im BV Münster

Am 07. November 2015 fand die außerordentliche Delegiertenversammlung des BV Münster in Gelsenkirchen statt. Auf dem beschaulichen Geländes von „Hof Holz“ fanden sich etwa 120 Teilnehmer ein.

10.08.2015
Zeit für Veränderung

Nach 4-jähriger Vorstandsarbeit im Personalrat für Lehrerinnen und Lehrer an Förderschulen und Schulen für Kranke des Bezirkes Münster reicht Oda Voerste die Listenführung der VBE-Personalratsfraktion Manfred Schumacher weiter. Sie wechselt zu Beginn dieses Schuljahres in die Schulleitung der Aabachschule in Ahaus.

24.04.2015
5. Seniorentag des VBE im Bezirk Münster

Der VBE-Bezirksverband Münster lädt Lehrerinnen und Lehrer im Ruhestand, ihre Ehepartner/innen  sowie weitere Interessenten ein, auch in diesem Jahr einen Tag der Bildung mitzuerleben.

06.10.2014
Bei uns geht niemand über Bord

Der Spätsommer neigt sich seinem Ende zu und das Laub der Bäume wechselt bereits die Farbe. Da macht sich am 20. September 2014 ein kleiner, unerschrockener Trupp aus den südlichen Gefilden des VBE Bezirkes Münster auf, um im Namen des Ortsverbandes Dorsten in Zweierkajaks die Niers bei Goch zu erobern. Trotz kritischer Wettervorhersage lassen alle Teams ihr Gefährt zu Wasser und stechen mit Doppelpaddeln „in See“. Der Auftakt zu unserem gemeinsamen Abenteuer hätte besser nicht sein können!

30.06.2014
4. Seniorentag des VBE (Verband Bildung und Erziehung) im Bezirk Münster

Mehr als 40 Kolleginnen und Kollegen aus dem gesamten Regierungsbezirk folgten der Einladung des VBE - Bezirksverbandes Münster zum 4. Seniorentag, der in diesem Jahr unter dem Motto stand: Wohnen im Alter – Gestaltung des persönlichen Umfelds.

30.06.2014
Fortbildungsveranstaltung Gleichstellung

Am 29. April 2014 trafen sich 35 Ansprechpartnerinnen für Gleichstellungsfragen in gemütlicher Runde in Haus Hesseforth in Dorsten-Deuten zu einer bezirksweiten VBE-Fortbildungsveranstaltung mit Ute Foit.

30.06.2014
BV Münster zu Besuch bei den Freunden des BLLV Oberpfalz

Zum 14. Treffen mit den Kolleginnen und Kollegen des BLLV Oberpfalz seit 1986 reisten kürzlich Mitglieder des BV Münster  nach Tirschenreuth.  Von dort aus unternahmen wir gemeinsam mit unseren Oberpfälzer Freunden am ersten Tag eine Fahrt nach Böhmen.

26.05.2014
Ehrenamtlichentreffen im Bezirk Münster

Einer guten Tradition folgend lädt der Bezirksverband Münster seit 1988 in einem Rhythmus von zwei bis drei Jahren die derzeit und früher ehrenamtlich in den Stadt-, Kreis- und Ortsverbänden aktiven Kolleginnen und Kollegen mit ihren Lebenspartnerinnen und -partnern zu einem Treffen ein.

26.05.2014
Qualifizierungsmaßnahme für AfG

Am 29. April 2014 trafen sich 35 Ansprechpartnerinnen für Gleichstellungsfragen in gemütlicher Runde in Haus Hesseforth in Dorsten-Deuten zu einer bezirksweiten VBE-Fortbildungsveranstaltung mit Ute Foit.

 

06.09.2013
BV MS: Delegiertenversammlung 2013

Herausforderung in Berufs- und Bildungspolitik

06.09.2013
Dritter Bezirksseniorentag in Münster
Gedächtnisprobleme im Alter und Sturzprävention
Grafik: VBE NRW
Ihre Qualifizierung vor Ort

Termine, Orte und Anmeldung

Grafik: dbb
Einkommensrunde 2018

Einigung ist erzielt

Grafik: VBE NRW
E[LAA]N

Ausgabe 67

Grafik: Arthimedes/Shutterstock.com
Schule heute

Ausgabe April 2018

Grafik: VBE NRW

URL dieses Artikels:
http://www.vbe-nrw.de/menu_id/454/content_id/3605.html

VBE-Bezirksverbände

Arnsberg Detmold Düsseldorf Köln Münster

copyright © 2001 - 2017 Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW