Bildung und Lernsubjekt als bloße Effekte marktliberaler Anpassungspostulate

03.11.2010
- Umrisse einer Bestandsaufnahme; Skizzen zu Kritik, Alternativen und Perspektive -

Ausgemacht und weitgehend akzeptiert: Bildung und Lernsubjekt als bloße Effekte marktliberaler Anpassungspostulate

von Michael Pleister

Umrisse einer Bestandsaufnahme; Skizzen zu Kritik, Alternativen und Perspektive

Das Bildungswesen stellt ein gesellschaftliches Bezugsfeld dar, das seit über einem Jahrzehnt den machtvollen Vereinnahmungsversuchen durch betriebswirtschaftliches Gedankengut kaum mehr zu widerstehen vermag. Als Ursachen dieser Entwicklung sind sowohl eine sich verselbst-ständigende Systemdynamik wie auch zielgerichtetes, d.h. politisches Handeln des Menschen namhaft zu machen.

Die Überführung gesellschaftlicher Subsysteme, die bislang nicht vorwiegend am Prinzip ökonomischer Rationalität orientiert waren, in Bereiche der Marktförmigkeit wird in internationaler Hinsicht  durch das  GATS,  ein von der WTO  organisiertes Handelsabkommen, mit Nachdruck be-fördert.

Die bekannten reformideologischen Begriffe wie z.B. „autonome Schule“, „lernende Institution“ und „Eigenverantwortlichkeit“ begleiten und verschleiern den Prozess der merkantilen Ausrichtung von Schule und Universität gleichermaßen. Die zumeist Fortschrittlichkeit und Modernität suggerierenden Konnotationen der genannten Schlagworte täuschen in der Regel über deren Anfälligkeit für Instrumentalisierung durch Interessenkonstellationen, die auf ökonomischen Nutzen und die damit letztlich verbundene Systemstabilisierung abzielen, geschickt und unauffällig hinweg.

Ein längst ins Schlepptau expandierender Wirtschaftsinteressen geratener und infolgedessen unverkennbare Degenerations- und Deklassierungsspuren aufweisender Bildungsbegriff spielt den in der gegenwärtigen bundesrepublikanischen Gesellschaft ohnehin vorhandenen Entfremdungs-prozessen in die Hände: Desintegration und Devianz mit steigender Tendenz erweisen sich als Aus-wirkungen einer sozial- sowie kulturpolitischen Entwicklung, in der Bildung ihren Anspruch auf humanisierende, ausgleichende Wirkung einbüßt.

Den „Herrschaftsanspruch“ der auf  Verwertbarkeit und Markttauglichkeit ausgerichteten Komponente von Bildung nicht unerheblich zu reduzieren, stellt eine Aufgabe dar, deren Bewältigung allen am Bildungswesen Beteiligten Wirklichkeitssinn und Theoriebewusstsein zugleich abverlangt. In praktischer Hinsicht dürfte es geboten sein, dass den Menschen insbesondere von der offiziellen Bildungspolitik über die entsprechenden Instanzen und Institutionen wesentlich mehr Chancen, an der Wissenskonstruktion zu partizipieren,  eingeräumt werden.

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