Bildungsagenda 2015
30.07.2009
Leitantrag beschlossen auf der Delegiertenversammlung des VBE NRW 2008

In den letzten Jahren haben sich in vielen Bereichen Veränderungen vollzogen, die gravierende Auswirkungen auf die Lebensbedingungen von Kindern und Jugendlichen haben und infolgedessen auch die Arbeit in den Kindertagesstätten und Schulen als „bildende Institutionen“ beeinflussen. Diese Veränderungen haben sich oft schleichend vollzogen, wurden in ihrer Bedeutung als einzelne Faktoren oft als von geringer Reichweite eingeschätzt, führen jedoch in ihrer Kumulation zu wachsenden Herausforderungen an die Familien und an die für Bildung und Erziehung zuständigen Institutionen. Beispielhaft genannt seien der Übergang in eine Wissens- und Informationsgesellschaft, die Probleme, die sich aus Zuwanderung und Demografie ergeben, wachsende Kinderarmut, sowie eine steigende Zahl von Alleinerziehenden. Die internationalen Leistungsstudien der vergangenen Jahre belegen darüber hinaus den engen Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungschancen. Eine Lösung der anstehenden Probleme wird nur mit einem breiten gesellschaftlichen und parteiübergreifenden Konsens über die zukünftige Gestaltung und Ausgestaltung unseres Bildungswesens möglich sein, der weit über den nächsten Wahltag hinausgeht.

In einer Zeit, in der die Gesellschaft immer älter wird, gleichzeitig aber immer weniger Kinder geboren und gut ausgebildete Fachkräfte zunehmend knapper werden, müssen alle Anstrengungen unternommen werden, um die Bildungspotentiale aller Kinder auszuschöpfen und um die demokratische, wirtschaftliche und kulturelle Teilhabe aller gesellschaftlichen Schichten zu sichern.

Kein Talent darf verloren gehen. Das Fundament dafür ist eine gute Allgemeinbildung, eine gefestigte Persönlichkeitsstruktur des einzelnen Kindes und das Erwerben der Fähigkeit für ein selbständiges lebenslanges Lernen. Die Voraussetzungen dafür müssen so schnell wie möglich geschaffen und nachhaltig angelegt werden.

Zur Erreichung dieser Ziele muss bis 2015 der nachstehende Forderungskatalog umgesetzt werden. An der Erfüllung der Bildungsagenda 2015 wird der VBE die politisch Verantwortlichen in NRW messen:

  1. Der Besuch der Kindertagesstätten ist für alle Kinder beitragsfrei. Die Gruppengröße in den Kindertagesstätten ist stufenweise auf eine Maximalgröße von 20 Kindern abzusenken. Die Betreuung für Kinder unter 3 Jahren ist bedarfsgerecht unter Zugrundelegung hoher qualitativer Standards sicherzustellen. Die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher ist in eine Fachhochschulausbildung zu überführen.
  1. Die Demografiegewinne müssen im System Schule verbleiben, um in der Primarstufe und in allen Schulformen der Sekundarstufe I den Klassenfrequenzhöchstwert auf 24 abzusenken. Darüber hinaus ist die besondere Situation an Brennpunktschulen zu beachten.
  1. Das Ganztagsangebot ist bedarfsgerecht auszubauen, um Chancenungleichheit zu beseitigen und Bildungsgerechtigkeit zu schaffen. Für alle Kinder wird eine warme Mahlzeit am Tag kostenfrei sichergestellt.
  1. Kindertagesstätten und Schulen werden in ein Netzwerk von unterstützenden Institutionen und Professionen eingebunden.
  1. Eigenverantwortliche Schulen und Schulträger erhalten große Spielräume in der inneren und äußeren Gestaltung von Schule. Modellversuche unter wissenschaftlicher Begleitung sind zu genehmigen.
  1. Die Arbeitszeit der Lehrerinnen und Lehrer ist in klaren Zeitkontingenten für unterrichtliche und außerunterrichtliche Arbeitszeit zu definieren, die Jahresarbeitszeit muss der des übrigen öffentlichen Dienstes entsprechen. Die Leitungszeit für Schulleitungen ist stufenweise so anzuheben, dass sie den zu leistenden Aufgaben entspricht. Ziel ist es, dass die Leitungszeit unabhängig von der Schulform und Größe mindestens 2/3 der Unterrichtsverpflichtung beträgt.
  1. Die im Bildungsbereich Beschäftigten erhalten auf die Arbeitszeit angerechnete Fortbildungskontingente.
  1. Besoldungsunterschiede und Beförderungschancen zwischen den Beschäftigten an unterschiedlichen Schulformen sind aufzuheben. Tarifbeschäftigte Lehrkräfte sind gerecht zu bezahlen.
  1. Niemand darf ohne Berufsabschluss bleiben. Deshalb ist die Zahl der jungen Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung bis 2015 mindestens zu halbieren. Ebenso ist die Zahl der Hochschulabsolventen zu verdoppeln.
  1. Schule ist eine der wichtigsten Einrichtungen für das Einüben von Demokratie. Deshalb müssen die demokratischen Mitbestimmungsrechte von Schülerinnen und Schülern, ebenso wie von Eltern und Lehrerinnen und Lehrern insbesondere mit Blick auf eine wachsende Eigenverantwortlichkeit von Schulen deutlich ausgebaut werden.
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