Pressedienst vom 16.01.2009
VBE: Schulformen mit höchstem Bildungsabschluss am begehrtesten
„Der Trend zur Wahl von Schulformen, die den höchstmöglichen Bildungsabschluss als Option bieten, ist in NRW ungebrochen“, kommentiert der VBE-Vorsitzende Udo Beckmann die neuen Übergängerquoten zu den weiterführenden Schulen, die dem VBE vorliegen.
Die Zahlen beziehen sich auf das laufende Schuljahr 2008/09 und stellen sich im Vergleich zum vorangegangenen Schuljahr folgendermaßen dar:
Übergänger zu den weiterführenden Schulen in NRW (Vergleich Schuljahr 2007/08 – Schuljahr 2008/09)
|
|
HS |
% |
RS |
% |
GY |
% |
IGS |
% |
Sonstige |
% |
Insg. |
|
Übergänger 2007/08 |
28.291 |
15,1 |
53.622 |
28,7 |
72.003 |
38,5 |
31.714 |
16,9 |
1.490 |
0,8 |
187.120 |
|
Übergänger 2008/09 |
25.813 |
14,5 |
50.577 |
28,4 |
68.476 |
38,5 |
31.778 |
17,9 |
1.306 |
0,7 |
177.950 |
Der hier dargestellte Trend ist seit Jahrzehnten zu beobachten. Zwei Aspekte kommen dabei zusammen: das veränderte Schulwahlverhalten der Eltern hin zu Schulformen mit der Option Abitur ohne komplizierte bzw. teilweise nicht mehr gangbare Umwege und die sinkenden Schülerzahlen. Letztere wirken sich in der Kombination mit dem Elternwillen auf die Schulformen unterschiedlich aus.
Um den Elternwillen zu beschneiden, hat die Landesregierung den Prognoseunterricht eingeführt. Ohne die Kinder, die aufgrund des Prognoseunterrichts gegen den Willen der Eltern einer Schulform zugewiesen wurden, sähen die Übergängerquoten in NRW für das Schuljahr 2008/09 folgendermaßen aus:
|
HS |
RS |
GY |
|
13,9% |
28,1% |
38,7% |
„Die Zahlen zeigen deutlich, dass Eltern sich nicht beirren lassen“, so Beckmann. „Ihr Schulwahlverhalten folgt der so genannten Aspirationsspirale. Eltern ohne Abitur wünschen für ihre Kinder einen besseren Schulabschluss als den eigenen, um den Sozialstatus der Familie zu erhalten. Sie wissen, dass beispielsweise für einen Beruf, für den früher der mittlere Bildungsabschluss als Zugang genügte, heute das Abitur nachgewiesen werden muss. Die Landesregierung muss diese gesellschaftliche Entwicklung endlich zur Kenntnis nehmen und entsprechend handeln.“
Statt sich dieser Entwicklung zu stellen und zukunftsfähige Konzepte für eine auf der Grundschule aufbauende Sekundarstufe I vorzulegen, springt die Landesregierung von einer Schulform zur anderen und versucht es mit Reparaturmaßnahmen. Dabei verliert sie mehr und mehr das gesamte Schulsystem aus dem Blick.
„An diesen Zahlen kann einmal mehr deutlich abgelesen werden, dass das Schulsystem sich verändert“, so Beckmann. „Die Eltern verändern es mit ihren Schulwahlentscheidungen. Die Politik kann davor nicht einfach die Augen verschließen und so tun, als sei alles noch so wie in den 1960er Jahren. Diese Zeit ist vorbei und kommt nicht wieder. Wir brauchen in NRW ein zukunftsfähiges Schulsystem mit einer zusammenhängenden Sekundarstufe I. Alle Parteien sind aufgefordert, angesichts der bevorstehenden Kommunal- und Landtagswahlen entsprechende Konzepte vorzulegen.“
PD 04/09
|