Pressedienst vom 15.09.2008
Zum Unterrichtsausfall
„Dass weniger Unterricht ausfällt, ist natürlich grundsätzlich positiv zu bewerten und sicherlich teilweise ein Ergebnis der verbesserten Lehrerversorgung“, kommentiert der VBE-Landesvorsitzende die vom Schulministerium vorgelegte Statistik zum Unterrichtsausfall. „Es muss aber genau hingesehen werden, was sich hinter den Zahlen verbirgt, die die Landesregierung als Erfolg ihrer Schulpolitik feiert.“
Unter dem Begriff „Unterrichtsausfall“ wird in der Statistik ausschließlich ersatzlos ausgefallener Unterricht verstanden. Erkrankt beispielsweise ein Englischlehrer kurzfristig und wird von einem Mathematiklehrer vertreten, der keinen Englischunterricht erteilt, gilt dies als „Ersatzunterricht statt Unterricht nach Stundenplan“ und taucht in der Statistik als erteilter Unterricht auf. Der Anteil dieses Ersatzunterrichts lag beispielsweise im Jahr 2005 an den Grundschulen bei 6,3 Prozent, im Jahr 2008 dagegen bei 11,1 Prozent. An den Hauptschulen lag die Quote im Jahr 2005 bei 24,9 Prozent und 2008 bei 25,2 Prozent.
Eine weitere Maßnahme zur Vermeidung des in der Statistik auftauchenden Unterrichtsausfalls ist die Zusammenlegung oder Mitbetreuung von Lerngruppen. Die entsprechende Quote hat sich in der Sekundarstufe I der Gymnasien zwischen den Jahren 2005 (1,5 Prozent) und 2008 (3,1 Prozent) mehr als verdoppelt und an den Förderschulen von 45,5 auf 48,8 Prozent erhöht.
An allen Schulformen außer den Förderschulen war darüber hinaus im Zeitraum der Erhebung im Jahr 2008 der Krankenstand der Lehrkräfte niedriger als im Erhebungszeitraum 2005.
„Letzteres ist Zufall und kann von keiner Landesregierung beeinflusst werden“, so Beckmann. „Die ersten Beispiele zeigen, dass die Schulen alles versuchen, um Unterricht stattfinden zu lassen. Sie zeigen aber auch, dass nicht alles damit gesagt ist, wenn nur der Rückgang des Unterrichtsausfalls in den Vordergrund gestellt und allein das schon als Erfolg gefeiert wird.“
Der Druck auf die Schulen, auf keinen Fall Unterricht ausfallen zu lassen, ist erheblich gewachsen, weil die Landesregierung damit bildungspolitisch punkten will. Der VBE kritisiert in diesem Zusammenhang, dass die Statistik nicht ausweist, wie viele Stunden Unterrichtsausfall durch die Mehrarbeit von Lehrerinnen und Lehrern vermieden werden konnten.
„Wenn der eine Unterricht lediglich durch einen anderen ersetzt wird oder Vertretungsunterricht in übergroßen Lerngruppen stattfindet, hilft das den Schülerinnen und Schülern später bei den zentralen Prüfungen wenig“, so Beckmann abschließend. „Es geht beim Unterrichtsausfall schließlich nicht darum, um jeden Preis die statistischen Werte zu verbessern, sondern um die Bildungschancen von Kindern. Der VBE wiederholt deshalb einmal mehr seine Forderung nach einer bedarfsgerechten Stellenreserve von 8 Prozent, die es ermöglichen würde, Unterricht wirklich so wie in den Stundentafeln vorgesehen stattfinden zu lassen.“
PD 83/08
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