Foto: © madochab / photocase.de
Anmeldung ab 01.09.2014

Bundesweit größter Weiterbildungstag für Lehrer/-innen aller Schulstufen

Foto: © iStockphoto.com
Lehrerratsschulung 2014

Schulung vor Ort!
Termine, Orte und Anmeldung

© gena96 - Fotolia.com
VBE Terminer 14/15

Der Wegweiser durch das Schuljahr

© Serhiy Kobyakov - Fotolia.com

Jetzt anmelden: 05.09.2014, 10 - 17 Uhr, Kongresszentrum Westfalenhallen Dortmund

Startseite > Bildung > Schulen

Ergebnis der VBE-Fragebogenaktion zur Sprachstandsfeststellung Delfin 4 Stufe 2
06.09.2007
An der vom VBE durchgeführten Fragebogenaktion zur Sprachstandsfeststellung Delfin 4 Stufe 2 beteiligten sich 1.005 der 3.500 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen.

An der vom VBE durchgeführten Fragebogenaktion zur Sprachstandsfeststellung Delfin 4 Stufe 2 beteiligten sich 1.005 der 3.500 Grundschulen in Nordrhein-Westfalen. Von den Rückläufen waren 950 verwertbar. Zusammen mit den 425 Rückmeldungen zur VBE-Umfrage nach Stufe 1 ergibt sich daraus eine detaillierte Bewertung des gesamten Sprachstandsfeststellungsverfahrens in Bezug auf Konzeption, Vorbereitung, Durchführung und Auswertung.
Die Ergebnisse beider Umfragen hat der VBE der Ministerin Barbara Sommer übergeben und in Gesprächen mit der Hausspitze erörtert.
Im Folgenden werden die Aussagen zu den einzelnen Fragen dargestellt:

Frage 1: Wie viele Kinder wurden von ihrer Schule gestestet?

Die Bandbreite der von einer Schule zu testenden Kinder reichte von einem Kind bis zu 190 Kindern. 78 % der Schulen hatten zwischen 10 und 50 Kindern zu überprüfen, nur 13 % hatten weniger als 10 Kinder zu testen.

Frage 2: Wie viele Sozialpädagogen/innen und/oder Lehrer/innen waren an dem Test beteiligt?

In 90 % der Schulen waren jeweils zwischen 1 bis 5 Lehrkräften bzw. Sozialpädagogen/innen für das Testverfahren eingesetzt. In etwa 1 % der Schulen waren mehr als 10 Pädagogen/innen in die zweite Teststufe eingebunden.

Frage 3: Wo wurde der Test durchgeführt in der KITA/in der Schule?

Hier ergab die Auswertung der Rückmeldungen ein relativ ausgewogenes Verhältnis bei der Wahl des Ortes für die Testdurchführung. Zwar fanden etwas mehr als die Hälfte (51 %) der Testverfahren der 2. Stufe in der Schule statt, allerdings haben die meisten Grundschulen zurückgemeldet, dass sie die Tests sowohl in den Kindertagesstätten als auch in ihrer Schule durchgeführt haben.

Frage 4: Wann fand der erste, wann der letzte Test des zweiten Verfahrens statt?

Die Testphase erstreckte sich landesweit über die Zeit von Anfang Mai bis zum Beginn der Sommerferien am 21. Juni. In den meisten Schulen konnte jedoch die zweite Verfahrensstufe noch nicht endgültig abgeschlossen werden. In einigen Schulen kann das gesamte Testverfahren erst nach den Sommerferien erfolgen.

Frage 5: Wann lagen Ihnen die Materialien vollständig vor?

In den meisten Fällen lagen den Grundschulen die Materialien für das zweite Testverfahren in der 1. bzw. 2. Maiwoche vor. Auffällig ist hier jedoch die breite Streuung des zurückgemeldeten Zeitpunkts der Informationen für den Test der Stufe 2. Während einige Schulen die Materialen bereits Ende April erhalten haben, lagen anderen Schulen die Materialien erst am 23. Juni (also erst innerhalb der Sommerferien) vollständig vor.

Frage 6: Sind die testenden Lehrkräfte bei der Durchführung in der Regel mit den vorgesehenen 30 Minuten ausgekommen. Falls nein, wie lange haben sie tatsächlich benötigt, 40 Min., 50 Min., 60. Min oder mehr?

Nur 8 % der Grundschulen meldeten zurück, dass die vorgesehenen 30 Minuten für die Durchführung des Tests (ohne Vor- und Nachbereitung und Elterngespräch) ausreichten. Bei den übrigen Schulen lag die durchschnittliche Zeit, die eine Lehrkraft für die reine Durchführung des Tests brauchte bei 45 Minuten.

Frage 7: Wie viel Zeit haben die Lehrkräfte in der Regel für Vorbereitung, Durchführung, Auswertung und Elterngespräch benötigt?

Die durchschnittliche Zeit, die eine Lehrkraft pro Kind für die Durchführung des gesamten Verfahrens brauchte, lag bei 75 Minuten. Die Bandbreite reicht hier von 40 Minuten bis 210 Minuten.

Frage 8: Wie viele Kinder haben den Test bzw. Teile des Tests verweigert?

Durchschnittlich 3,6 Kinder pro Schule nahmen nicht am Testverfahren teil oder verhielten sich in der Testsituation so, dass das Ergebnis nicht gewertet werden konnte. Die Rückmeldungen der einzelnen Schulen ergaben eine hohe Bandbreite von 0 bis 28 Kinder.

Frage 9: Bei wie vielen Kindern wurde Förderbedarf festgestellt?

Durchschnittlich 9,1 Kinder pro Schule wurden durch die zweite Stufe des Sprachstandsfeststellungsverfahrens als förderbedürftig eingestuft. Auch bei der Ermittlung des Förderbedarfs zeigte sich eine hohe Bandbreite von 0 Kindern (7,1 % der Schulen) bis zu 84 Kindern an einer Schule. Zahlreiche Anmerkungen zielen darauf ab, dass der tatsächliche Anteil der Kinder mit Förderbedarf noch deutlich höher liegt als der Wert, der durch das Testverfahren ermittelt wurde (vgl. dazu auch Antworten zu Frage 12).

Frage 10: Wie viele Unterrichtsstunden/besondere Fördermaßnahmen (z.B. Lernstudio, GU, Doppelbesetzung o.ä.) sind ausgefallen? Wie wurde das Fehlen der testenden Lehrkräfte ausgeglichen: durch bezahlte Mehrarbeit, durch unbezahlte Mehrarbeit, durch Belastung anderer Kolleg/innen, durch Aufteilung von Lerngruppen oder Klassen?

Im Durchschnitt fielen in der zweiten Testphase 23,7 Stunden Unterricht bzw. Förderung an der einzelnen Schule aus. Die Bandbreite reichte hier von 0 bis 206 Stunden.
8,3 % der Schulen gaben an, dass für die zweite Stufe der Sprachstandserhebung kein Unterricht ausgefallen ist.
An 85 % der Schulen wurden die Stunden der durch das Testverfahren gebundenen Lehrkräfte zu Lasten der übrigen Kolleg/innen oder durch unbezahlte Mehrarbeit ausgeglichen. Nur 13 % der Schulen glichen das Fehlen der testenden Lehrer durch bezahlte Mehrarbeit aus.

Frage 11: War das Testverfahren kindgerecht?

47,5 % der Kolleginnen und Kollegen beurteilen das Verfahren als kindgerecht. Sie machen dieses häufig an der Tatsache fest, dass Kinder einzeln getestet werden konnten. Auch die graphische Ausgestaltung des Testmaterials wird von ihnen eher positiv beurteilt.
Die Mehrheit der Befragten (52,5 %) hält das Testverfahren allerdings für nicht kindgerecht.
Dazu werden von den Lehrkräften die folgenden Punkte kritisch angemerkt:
(Auflistung nach Häufigkeit der Anmerkungen)
- Testsituation für Kinder zu lang/nicht altersgerecht
- Test beinhaltet kaum Handlungsmöglichkeiten für die Kinder/ fehlende Bewegungsphasen
- Fremde Testperson/-umgebung verunsichert die Kinder
- Kinder nehmen Testsituation zu sehr wahr (Anspannung/Stress)
- Materialfülle/Zusatzmaterialien überfordern Kinder und Lehrkräfte
- Unklare Begriffszuordnung/Begriffsklassifikation (Beispiel: „Koffer“ und „Kissen“ empfinden Kinder durchaus als Spielzeug)
- Schwierige Begriffe (Wortschatz bzw. graphische Darstellung - Beispiel: „kariert“, „stumpf“, „krumm“, „Streit“, „Stängel“)
- Zusammenhang von Spielplan und Aufgaben nicht gegeben; fehlender Spielcharakter/Erfolgserlebnis
- Ausmalbild überfordert Kinder
- Zuwendung der Lehrkraft zum Kind zu gering (Aufmerksamkeit gebunden durch  Testdurchführung/-dokumentation)
- Pluralaufgaben unsinnig/fehlerhaft
- “Quatschsätze“ werden von den Kindern abgelehnt
- Reihenfolge der Aufgaben nicht logisch/entspricht nicht dem Schwierigkeitsgrad

Frage 12: War der Test geeignet, differenzierte Förderhinweise zu bekommen?

Die Mehrheit der Befragten (56,7 %) hält den Test grundsätzlich für geeignet, um differenzierte Förderhinweise zu erhalten.

Nahezu alle Fragebögen enthalten jedoch Hinweise, dass durch die vorgegebene Auswertungsmatrix Kinder mit eindeutigem Förderbedarf als nicht förderbedürftig im Sinne des Sprachstandsfeststellungsverfahrens eingestuft werden. Zudem merken zahlreiche Kolleginnen und Kollegen, die diese Frage mit „ja“ beantworten, kritisch an, dass die Förderhinweise zwar erhoben, aber aus datenschutzrechtlichen Bedenken nicht direkt an die für die Förderung zuständigen Kindertageseinrichtungen weitergeleitet werden konnten.

Im Einzelnen wird kritisch angemerkt:
(Auflistung nach Häufigkeit der Anmerkungen)
- Auswertungssystem des Testverfahrens führt zu falschen Ergebnissen/Kinder mit  offensichtlichem Förderbedarf erreichen die erforderliche Punktzahl.   (Testdurchführung mit Blick auf Förderwirkung unnötig)
- Dreijährige erreichen die erforderliche Punktzahl ohne aktive Sprachkenntnisse   (durch Nachsprechen bzw. Wortverständnisaufgaben)
- Aussagen der Erzieherinnen entscheidend bzw. ausreichend/keine neuen   Erkenntnisse durch das Testverfahren (Austausch mit Erzieherinnen muss   intensiviert werden)
- Trennung von Test und Förderung unzulässig
- Zu geringer Anteil freien Sprechens/Spontansprache
- Unzureichende Informationsweitergabe/Synergieeffekte   (Testdokumentation verbleibt in der Schule, Kindertageseinrichtungen erhalten    keine differenzierten Förderhinweise. Eltern erhalten durch den Erhebungsbogen    keine Hinweise auf evtl. sprachtherapeutischen Förderbedarf)
- Artikulationsfehler und fehlerhafte Satzbildung finden kaum Berücksichtigung
- Gleichzeitige Testdurchführung und Dokumentation schwierig
- Sehr hoher Verwaltungsaufwand
- Zu wenig Testexemplare (Durchführungszeitraum bei nur einem Spiel pro Schule zu lang
- Teilbereich „Wortverständnis“ zu leicht

Bewertung des Verfahrens und Forderungen des VBE

Das Anliegen der Landesregierung war, durch eine gezielte frühe Untersuchung des Sprachentwicklungsstands und einer sich daraus ableitenden Sprachförderung einen Schwerpunkt in der Bildungsarbeit der Kindertagesstätten zu setzen. Dass es gut und sinnvoll ist, Sprachdefizite frühzeitig zu erkennen und entsprechende Fördermaßnahmen folgen zu lassen, ist unbestritten und wird seitens des VBE begrüßt und unterstützt.

Die entscheidende Frage ist jedoch, ob das dazu gewählte Verfahren sowohl von der Durchführung als auch von den Aufgaben und Inhalten des Sprachtests geeignet war, diesem Anspruch gerecht zu werden. Oder anders gefragt: Hat sich der ganze Aufwand gelohnt? Und welche Konsequenzen zieht das Ministerium aus der Evaluation des Verfahrens?

Hatte bereits die 1. Stufe des Sprachstandsfeststellungsverfahrens sowohl bei Eltern, Lehrkräften, Sozialpädagogen/innen und Erzieher/innen viel Arbeit und Unmut erzeugt, verfestigte sich dieser Eindruck erst recht nach den Erfahrungen in der 2. Stufe. Die erste Testrunde, an der nur Kinder teilnahmen, die Kitas besuchten, endete mit einem völlig unerwarteten Ergebnis: In einigen Orten/Ballungszentren/sozialen Brennpunkten erfüllten 50 – 80 % der Kinder die Erwartungen nicht. Die hohe „Durchfallquote“ brachte viele Experten und das Ministerium in Erklärungsnot. Eltern, Erzieher/innen und Pädagogen/innen, die die Kinder erlebten, erklärten die hohe Quote damit, dass viele Vierjährige tatsächlich erhebliche Sprachprobleme haben. Besonders laut jedoch war die Kritik am Testverfahren, das sowohl die Alltagssituation der Vierjährigen als auch die Kenntnisse der Erzieherinnen, die täglich mit den Kindern arbeiten, nicht berücksichtigte.

Am 09.08.2007 hat das MSW bereits das offizielle Ergebnis von Delfin 4 Stufe 2 veröffentlicht (vgl. dazu PDF-Datei auf der Seite des MSW „Ergebnisse in den einzelnen Schulamtsbezirken“), obwohl in nahezu allen Schulämtern die zweite Stufe des Sprachstandsfeststellungsverfahrens noch nicht abgeschlossen werden konnte.

Nach Auswertung der zweiten Verfahrensstufe durch das MSW sollen nunmehr von den 180.000 Kindern des Einschulungsjahrgangs 2009/10 nur noch 34.000 Kinder, also etwa 19 %, in den Genuss einer vorschulischen Sprachförderung kommen. Viele Kinder mit vorschulischem Sprachförderbedarf werden jedoch von dieser Zahl nicht erfasst. Zunächst einmal sind das all jene Kinder, die bei der Veröffentlichung der Zahlen zur zweiten Stufe diese noch gar nicht durchlaufen hatten. Schaut man sich die Ergebnisse in den 54 Schulamtsbezirken genauer an, so stellt man fest, dass von den 88.364 zur zweiten Stufe eingeladenen Kindern immerhin 16.058 Testergebnisse zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch gar nicht vorlagen. Diese Zahl entspricht 18,2 % aller Kinder, die zur 2. Stufe des Testverfahrens eingeladen worden sind. Das bedeutet jedoch, dass im Durchschnitt jedes 5. Kind noch nicht auf sein Sprachstandsvermögen überprüft werden konnte. Hier stellt sich die Frage, wie Ministerium und Landesregierung auch für diese Kinder die Durchführung des Testverfahrens und eine sich anschließende gezielte Sprachförderung sicher stellen wollen.

In diesem Zusammenhang kommt noch erschwerend hinzu, dass nahezu alle Teilnehmer an der VBE Fragebogenaktion zurück gemeldet haben, dass durch die vorgegebene Auswertungsmatrix der zweiten Verfahrensstufe Kinder mit eindeutig erkennbarem Förderbedarf als nicht förderbedürftig im Sinne des Sprachstandsfeststellungsverfahrens eingestuft wurden. Insbesondere für Dreijährige tut sich hier durch eine vermeintlich attestierte ausreichende Sprachkompetenz ggf. eine fatale „Förderfalle“ auf.

Erschwerend kommt noch hinzu, dass das neue Kindergartenjahr mittlerweile begonnen hat und es noch keine klaren Aussagen der Ministerien und der Landesregierung darüber gibt, wie und wann die zugesagte spezielle Sprachförderung durchgeführt wird und ob dazu durch Fortbildung geschultes Personal zur Verfügung stehen wird.

Offene Fragen gibt es auch noch zu den Kindern, die keine Kita besuchen und daher an der 2. Stufe teilnehmen mussten. In einigen Orten bzw. Regionen erschienen viele Kinder nicht zum Test. Ob die Bußgeldverfahren, die durch das Ministerium angedroht wurden, Erfolg zeigen werden, bleibt abzuwarten. Auch den Kindern dieser Gruppe, die Förderbedarf haben, kann so zunächst einmal nicht geholfen werden.

Die Durchführung des Verfahrens war aus vermeintlich juristischen Gründen ganz in die Verantwortung der Schulämter gelegt worden und damit in den Arbeitsbereich der Lehrkräfte. Es sollte jedoch in enger Kooperation mit den Kitas durchgeführt werden. Da die Zusammenarbeit von Kita und Schule noch nicht überall funktioniert (vor allem wegen fehlender rechtlicher Grundlagen und zeitlicher Ressourcen), war in diesem Bereich eine mangelnde Kooperation bis hin zur Verweigerung einer Zusammenarbeit zu verzeichnen. Das verminderte die Akzeptanz des Verfahrens bei vielen Eltern erheblich.

Ohnehin zeigten vor allem die Ergebnisse der 1. Stufe, dass diese keine Überraschungen boten für die Erzieher/innen, denn sie deckten sich weitgehend mit den von ihnen gemachten Beobachtungen. Es stellt sich daher die Frage, ob es nicht effektiver wäre, wenn das pädagogische Personal in den Kindertagesstätten nach ihren Beobachtungen die Kinder als förderbedürftig bzw. nicht förderbedürftig einstufen würden. Damit würde auch der Erkenntnis Rechnung getragen, dass Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung untrennbar zusammengehören. Es ist ausgesprochen kontraproduktiv, dass beim derzeitigen Verfahren 3 – 4jährige Kinder von einer fremden Person getestet werden und nicht von der Erzieherin, die nicht nur als Bezugsperson fungiert, sondern die auch durch ihre spezifische fachliche Kompetenz für diese Aufgabe geeignet ist.

Sehr schmerzhaft ist in diesem Zusammenhang auch die späte Erkenntnis des MSW, dass die differenzierten Förderempfehlungen, die durch die zweite Verfahrensstufe in Aussicht gestellt wurden, aufgrund von datenschutzrechtlichen Bedenken nun vorerst nicht in den Kitas ankommen werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Erfahrungen mit dem ersten Durchlauf der Sprachtests für Vierjährige gezeigt haben, dass das Verfahren dringend vereinfacht werden muss. Der VBE hält es nach wie vor nicht für sinnvoll, alle vierjährigen Kinder in den Test zu schicken.

Die Erzieherinnen und Erzieher in den Tageseinrichtungen könnten bereits vorher entscheiden, welche Kinder sich auf keinen Fall dem Test unterziehen müssen. Da sie die Kinder jeden Tag hautnah erleben, sind sie auch in der Lage zu erkennen, welche Kinder keinen Förderbedarf haben werden. Unsere Rückmeldungen zeigen darüber hinaus, dass sich die Ergebnisse der Tests weitgehend mit der vorherigen Einschätzung der Erzieherinnen und Erzieher decken. Erkennt im Umkehrschluss eine Erzieherin bei einem Kind sprachlichen Förderbedarf und stimmen die Eltern der Förderung problemlos zu, könnte auch ein solches Kind vom Sprachtest befreit werden.

Eines zeigt die Fragebogenauswertung zur zweiten Stufe sehr deutlich:

Grundschullehrkräfte wurden über die Maßen mit neuen Aufgaben belastet, ohne die nötigen Ressourcen und entsprechende Fortbildung zu erhalten. Nach Meinung der Ministerin gab es jedoch weder besondere Belastungen noch Unterrichtsausfall durch den nicht unerheblichen Zeitaufwand bei der Durchführung der Sprachtests.

Hier zeigen die Rückmeldungen unserer beiden Abfragen zu den Stufen 1 und 2 des Verfahrens andere Erfahrungen auf. Die Abfrageergebnisse belegen sehr wohl, dass es zu erheblichem Unterrichtsausfall gekommen ist, falls das Ministerium auch den Förderunterricht als Unterricht einstuft. Außerdem gab es enorme zusätzliche Belastungen nicht nur bei den für die Tests zuständigen Lehrkräften sondern auch für die Kollegien, die den Unterrichtsausfall gemeinsam versuchten zu reduzieren. Das aufwendige Testverfahren erstreckte sich über mehrere Monate des 2.Schulhalbjahres, in dem es ohnehin immer wieder zu Arbeitsverdichtungen kommt.

Sollte das Ministerium - wider aller gemachten Erfahrungen - auch die zukünftigen Sprachfeststellungsverfahren in die Verantwortung der Schulämter und damit der Grundschulen stellen, sind aus Sicht des VBE eine Entbürokratisierung des Verfahrens, eine rechtzeitige Fortbildung der Grundschullehrkräfte und zusätzliche Pädagogen bzw. Zeitbudgets für die Grundschulen unerlässlich.

Der VBE unterstützt nach wie vor das Anliegen der Landesregierung, die Sprachentwicklung eines Kindes frühzeitig festzustellen und individuell zu fördern und so eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Lernen in der Schule zu schaffen.

-  Leider wurde das Verfahren ohne Erprobung und Evaluierung gleich flächendeckend eingesetzt. Vor Beginn eines weiteren Verfahrens sind diese Versäumnisse nachzuholen, alle Bereiche zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern

- Aufgrund der gemachten Beobachtungen bei den Vierjährigen muss das gesamte Verfahren des Sprachtests inhaltlich, zeitlich und sprachwissenschaftlich überarbeitet und aufeinander abgestimmt werden. Dies gilt insbesondere für die Beurteilungskriterien.

- Der VBE hält es nach wie vor für falsch, dass ein riesiger bürokratischer Aufwand betrieben und Erzieher/innen im eigenen Zuständigkeitsbereich lediglich eine Statistenrolle zugeschrieben wird. Dies ist insbesondere deshalb zu kritisieren, weil von den gleichen Personen die festgestellten Defizite behoben werden sollen. Die Landesregierung muss ihr Geld dafür nutzen, den Elementarbereich personell, sächlich und inhaltlich auf diese Aufgaben vorzubereiten, soll das Projekt zukünftig Erfolg zeigen. Es muss außerdem eine Klärung datenschutzrechtlicher Fakten zur Sicherstellung eines Informationsaustausches vorgenommen werden. Es kann doch nicht sein, dass gerade den Personen, die die Kinder nach Feststellung eines individuellen Bedarfes fördern sollen, keine Kenntnis bzw. Hinweise erhalten über die Beobachtungen während der Sprachtests (Stufe 2, Protokollhefte durften nicht von den Erzieher/innen eingesehen werden, werden in den Schulen aufgehoben, Erzieher/innen waren beim Einzeltest nicht anwesend).

- Die Vorbereitung der am Testverfahren beteiligten Personen muss zukünftig rechtzeitig und nicht überstürzt sowie oberflächlich wie im abgelaufenen Verfahren erfolgen. Dazu muss das Testverfahren in der vollständigen überarbeiteten Version frühzeitig vorliegen.

- Bei weiterer Beteiligung des Schulbereichs, wofür der VBE keine Notwendigkeit sieht, muss eine deutliche Entlastung auf der Grundschulseite erfolgen, indem zusätzliche Lehrkräfte bzw. Lehrer/innenstunden zur Verfügung gestellt werden. Wenn Grundschullehrkräfte auch weiterhin im Verfahren mitwirken, müssen diese im Vorfeld Kenntnisse über die frühkindliche Erziehung und die altersgemäße Sprachentwicklung durch Fortbildung erwerben können.

- Da die Landesregierung dem Recht auf individuelle Förderung durch die Festschreibung im Schulgesetz einen hohen Stellenwert verleiht, kann der VBE es nicht hinnehmen, dass während der Testphase, die sich fast über ein Schulhalbjahr hinzog, Unterricht (auch Förderunterricht) ausgefallen ist.

- Trotz Verlagerung der Verantwortung auf die Schulämter, ist das Vorhaben nicht gelungen, alle Vierjährigen den Sprachtests zu unterziehen. Der VBE wartet gespannt auf die Reaktion des Ministeriums, wie man mit den Eltern umgeht, die sich trotz dieser Regelung dem Testverfahren verweigert haben. Der VBE stellt die Frage, ob eventuelle Bußgeldverfahren erfolgreich sein können und welchen Nutzen sie dann bringen. Den Kindern kommt jedoch auf diese Weise die gut gemeinte frühzeitige Unterstützung nicht zu. Es gilt, andere Wege zu finden, alle Kinder in die Beobachtung und Überprüfung, aber auch in die Förderung einzubeziehen.

 

Weitere Artikel im Bereich "Schulen"
25.02.2013
Anmerkungen zur Inklusionsdebatte
Die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention stellt Schulen vor erhebliche Herausforderungen. In der Inklusionsdebatte sind bis jetzt keine Perspektiven erkennbar, die darstellen, wie die Umsetzung der Inklusionsidee mit Sicherheit gelingen könnte. Umgekehrt kann man prognostizieren, dass sie ganz sicher nicht gelingen wird, wenn eine Reihe von Unklarheiten, Fehlannahmen und Nachlässigkeiten nicht beseitigt werden.
13.03.2012
Leitlinien für Personalmaßnahmen bei der Auflösung von Hauptschulen durchgesetzt
Die Lehrergewerkschaften GEW und VBE sowie der Hauptpersonalrat Hauptschule (HPR) freuen sich darüber, dass nach langem Ringen endlich ein Konzept vorliegt, wie mit der Personalsituation an Hauptschulen umgegangen werden soll, die wegen sinkender Anmeldezahlen auslaufen müssen.
08.02.2012
Wie wird meine Schule Sekundarschule?
Konzeption sowie Rahmen- und Genehmigungsbedingungen
26.09.2011
Gutachten zur Erhaltung von Grundschulen in NRW
Auch Grundschulstandorte – vor allem in dünn besiedelten Regionen - sind nicht weniger vom demografischen Wandel betroffen, was allerdings von der Landespolitik noch nicht hinreichend registriert worden ist. Das Gutachten „Kurze Beine – kurze Wege“ zeigt deutlich, dass akuter Handlungsbedarf besteht, um die Situation in den Grundschulen insgesamt zu verbessern.
13.09.2011
Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung
Das MSW erteilte Prof. Dr. Werning (Leibniz-Universität Hannover) im März 2011 den Auftrag, die Grundkonzeption der Kompetenzzentren für sonderpädagogische Förderung (KsF) im Bereich der Lern- und Entwicklungsstörungen hinsichtlich ihrer Eignung zur Entwicklung eines inklusiven Bildungssystems zu untersuchen. Der VBE stellt die wichtigsten Ergebnisse vor.
08.04.2011
Sprachstandsfeststellung Delfin 4 im Jahre 2011
Nach Verabschiedung des 5. Schulrechtsänderungsgesetzes am 30. März 2011 ist eine neue gesetzliche Grundlage maßgebend.
04.10.2010
Ergebnisse aus der VERA-Umfrage 2010
Der VBE hat im Juni die Meinung der Lehrkräfte zu den Lernstandserhebungen VERA abgefragt. An der vom VBE durchgeführten VERA-Umfrage beteiligten sich 2107 Lehrerinnen und Lehrer. Diese hohe Beteiligung zeigt, dass die Lernstandserhebungen mehr und mehr in die Kritik geraten.
28.01.2010
VBE fragt nach: Sprachkompetenz nach Delfin 4
Lehrkräfte vermissen die versprochene Entlastung
27.11.2002
Das VBE-Modell der Starterklasse: „Jedes Kind dort abholen,wo es steht“
VBE stellt eigenes Modell zur veränderten Schuleingangsphase vor
             
vbe-nrw.de   VBE vernetzt   Mein VBE   VBE Bezirksverbände
Startseite   Ideenbörse   RSS Newsfeed   BV Arnsberg
Verband   Stellentauschbörse   Seite empfehlen   BV Detmold
Ansprechpartner   Bildungswerk   Druckversion   BV Düsseldorf
Presse   Fit für den Lehrerberuf   Feedback   BV Köln
Beruf   Online-Tagebuch   Facebook   BV Münster
Bildung   lehrereinstellung.de   Newsletter    
Service   Stellenbörse Kita   Mitglied werden    
Veranstaltungen            
Publikationen            
copyright © 2001 - 2014 Verband Bildung und Erziehung, Landesverband NRW   Impressum | Hilfe | Kontakt | Datenschutzbestimmungen